Prof. Johann Pratschke im ff-Podcast: Was macht einen guten Chirurgen aus?
Shownotes
Prof. Johann Pratschke zählt zu den renommiertesten Chirurgen im deutschsprachigen Raum. An der Charité in Berlin leitet er zwei große chirurgische Kliniken und gilt als einer der erfahrensten Experten für minimalinvasive und robotisch assistierte Eingriffe an Leber und Bauchspeicheldrüse. Bevor er nach Berlin wechselte, war Pratschke an der Uniklinik Innsbruck tätig – und damit eng verbunden mit vielen Südtiroler Ärztinnen und Ärzten sowie zahlreichen Patientinnen und Patienten. Im Gespräch mit Verena Pliger spricht er offen darüber, warum so viele Menschen das Vertrauen in den Gesundheitsbetrieb verlieren, was moderne Chirurgie heute tatsächlich leisten kann und welche Rolle Robotik im OP spielt. Er erklärt, was einen guten Chirurgen ausmacht, warum kulturelle Kompetenzen im Klinikalltag entscheidend sind – und was passieren muss, damit Patientinnen und Patienten wieder mehr Zuversicht in die Medizin entwickeln. Prof. Pratschke war auf Einladung des Südtiroler Nierenkrankenvereins "Nierene" zu Gast in Südtirol.
Moderation & Redaktion: Verena Pliger
Produktion: Verena Pliger
Mitarbeit: Julia Staffler
Link zur ff-Titelgeschichte
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Transkript anzeigen
00:00:00: Aufs Ohr.
00:00:02: Der Podcast der FF mit Verena Plieger.
00:00:07: Liebe Verförerinnen und Verförern, schön dass Sie mit dabei sind bei unserem wöchentlichen Podcast.
00:00:12: Immer mehr Menschen ärgern sich über den Gesundheitsbetrieb Zu lange Wartezeiten zu wenig Zeit für Patientinnen und Patienten Zuviel Bürokratie.
00:00:21: Gleichzeitig entwickelt sich die moderne Chirurgie rassant weiter Mit Robotern, mit hochpräzisen Instrumenten und mit Operationsmethoden die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären.
00:00:34: Genau über dieses Spannungsfeld wollen wir heute sprechen!
00:00:37: Mein heutiger Gast kennt beide Seiten – die Sorgen also der Menschen genauso wie die Möglichkeiten der Spitzenmedizin.
00:00:44: Sein Name?
00:00:45: Professor Johann Bratschke.
00:00:48: Er ist einer der renommiertesten Chiruren im deutschsprachigen Raum.
00:00:51: Er leitet an der renommierten Charité in Berlin gleich zwei große chirurgische Kliniken und zählt auch zu den erfahrensten Experten für minimalinvasive und robotisch assistierte Eingriffe, an Leber- und Bauchspeicheldrösser.
00:01:05: Und
00:01:06: – das ist interessant – erkennt auch unsere Region gut!
00:01:09: Denn bevor er nach Berlin ging war Prof.
00:01:11: Bratsche an der Universitätsklinik Innsbruck tätig und damit im engen Austausch mit Südtiroler Ärztinnen und Ärzten und natürlich auch mit vielen Patienten.
00:01:21: Und kürzlich war er hier zu Gast in Bootsen auf Einladung von Nierenne, also dem Südtiroler Nierenkrankenverein und ich habe mit ihm für diesen Podcast gesprochen was denn einen guten Chirurgen ausmacht und was moderne Medizin leisten muss um das Vertrauen der Patientinnen und Patienten zurückzugewinnen.
00:01:42: Herr Prof.
00:01:42: Bartschke Sie leiten zwei der renommiertesten chirurgischen Kliniken an der Charité.
00:01:47: wenn sie so auf ihren Alltag blieb Wie viel davon ist noch Medizin und wie viel ist inzwischen Administration, Dokumentation?
00:01:58: Das ist eine sehr gute Frage.
00:01:59: Jetzt ist natürlich bei mir die Sondersituation – ich bin Kirurg!
00:02:03: Und ein Kirurg lebt schon von der ärztlichen Praxis.
00:02:07: Um auf die Frage zurückzukommen, ich operiere jeden Tag.
00:02:10: Ich sehe auch jeden Tag Patienten aber natürlich sind es im Dreißig bis Vierzig Prozent meiner Arbeitszeit und da dürfen sie nicht von dem acht Stunden Tag ausgehen, das sind natürlich Administrationen.
00:02:20: Das sind viele Prozesse, die man entscheiden muss, Personalführung und all diese
00:02:25: Dinge.".
00:02:25: Sie haben jetzt angesprochen, sie operieren noch jeden Tag!
00:02:28: Sie sehen sich also nach wie vor in erster Linie vor allem als Chirurg
00:02:33: Absolut, also ich denke wenn man in der Leitungsposition als Arzt ist sollte man sich auch primär als Arz sehen.
00:02:40: Sonst hätte man vielleicht was anderes studieren sollen Wirtschaft oder Ähnliches.
00:02:45: aber natürlich sind diese Abteilungen müssen auch ökonomisch geführt werden Personalführung.
00:02:50: Man muss eine Kompetenz in diesen Bereichen mitbringen Aber man ist primär
00:02:54: arzt Aber in ihrer Position sind sie doch sicher mittlerweile auch Personaustrateger Krisenmanager und Personalentwickler.
00:03:03: Absolut, also bei mir arbeiten an die Fünfzig Chirurginnen und Chirurgen.
00:03:09: Und die Pflege ist... Unabhängig von uns, aber wir arbeiten natürlich auch mit den Kolleginnen und Kollegen der Pflege eng zusammen.
00:03:16: Und da gibt es natürlich immer Personalfragen, ob das Personalentwicklung ist wie für jedes Jahr Personalgespräche, ob es Kleinigkeiten sind die Anfallen des falsche Zimmern?
00:03:26: Mit dem Kollegen kann ich nicht mit der Kollegin.
00:03:29: Es gibt immer kleine Konflikte und natürlich ist das auch die Aufgabe eines Abteilungsleiters Nicht bei jedem Konflikt sozusagen zu helfen, aber doch schon bei den substanziellen Konflikten.
00:03:41: Wie erkennt man eigentlich, ob jemand wirklich für die Chirurgie gemacht ist?
00:03:46: Also gibt es so Eigenschaften, die man ganz einfach nicht lernen kann und die man mitbringen muss in diesen Beruf?
00:03:53: Das ist eine sehr interessante Frage.
00:03:56: Was macht einen guten Kirurgen aus und Kirurginn aus?
00:04:00: Und ich stelle diese Frage auch immer bei den Einstellungsgesprächen.
00:04:05: Meine Seachtensmacht einen guten Chirurgen und Chirurgien aus, natürlich braucht man ein breites Wissen.
00:04:11: Man muss aber Verantwortung übernehmen können!
00:04:14: Man muss Verantwortung über nehmen können, man muss zu dem stehen was man tut und man muss seine Patienten mögen.
00:04:22: Man muß wirklich Menschen mögen und man muß Empathie haben.
00:04:27: Und das impliziert auch natürlich dass man die Patienten jetzt nicht von oben herab behandelt sondern mit ihnen
00:04:34: spricht
00:04:34: in einem Dinge erklärt.
00:04:36: Was wir als Chirurgen machen, ist eine potenzielle Körperverletzung und sie geben mir die Einwilligung dazu, dass ich das durchfühle aber Sie müssen verstehen was mit Ihnen, was mit Ihrem Körper passiert, was das Ziel ist und all diese Dinge machen einen guten Ärzte den guten Arzt aus.
00:04:53: es sind also viele Eigenschaften.
00:04:55: woran merke ich, dass das jemand nicht hat?
00:04:58: Man merkt zum Umgang mit dem Patienten Man merkt es an der Übernahme der Verantwortung.
00:05:04: Und ganz zum Schluss, das ist wichtig aber für viele ist es im Vordergrund sind es manuelle Tätigkeiten, manuelle Fähigkeiten.
00:05:12: wie gehe ich als Kirur eine Operation ran?
00:05:15: Aber auch dass es viel durch Denken einer Operation Strategie Lösungen zu haben schon auch schnell entscheiden können sich auf dem Team verlassen aber auch das Team mitnehmen können und führen können.
00:05:27: Sie sehen schon, es sind viele Eigenschaften, die ineinandergreifen und in gute Ärztinnen und Arzen ausmachen.
00:05:34: Und ist das nicht nur das was wir häufig im Vordergrund stellen?
00:05:37: Die manuelle Fähigkeit bei einem Chirurgen.
00:05:40: Sie arbeiten ja an der Charité mit Fachärzten aus verschiedensten Ländern zusammen aus Afghanistan, aus Syrien und vielen anderen Kulturkreisen.
00:05:50: Wie gelingt denn die Zusammenarbeit im Alltag in einer solchen Höchstleistungsmedizin, Hochleistungs- medizin wo sie merken dass auch Integration an gewisse Grenzen stößt.
00:06:03: Die Leute die an der Charité arbeiten und sich dort bewerben haben schon ein relativ ähnliches Mindset.
00:06:13: Die wollen was erreichen, die wollen Spitzenmedizin machen und das ist der gemeinsame Nenner.
00:06:19: diese Kolleginnen und Kollegen sind eigentlich hervorragend ausgebildet haben Interesse an der Forschung, sind in meisten Fällen mehrsprachig.
00:06:29: Und man muss auch wissen wir haben natürlich bei den Patienten alle Kulturkreise auch an der Charité.
00:06:36: Berlin ist eine multikulturelle Stadt und da ist es natürlich schon fein wenn wir auch entsprechend die Kolleginnen und Kollegen da haben die auch zum Beispiel in der Muttersprache
00:06:46: mit den
00:06:47: Patienten kommunizieren.
00:06:48: dann
00:06:49: Die Charité hat ja einen fast mythischen Klang, eine Weltklinik.
00:06:54: Also sie war schon vielfach Schauplatz verschiedenster Fernsehserien – also Serien-Kulisse auch ein medizinisches Aushängeschild natürlich!
00:07:03: Was davon ist Legende?
00:07:05: und was ist tatsächlich anders an der Charité in Berlin als an anderen Häusern oder an anderen Kliniken?
00:07:12: Legende ist immer Geschichte.
00:07:14: Und ich denke, was die Charité auszeichnet und wie es zu dieser Legende kam, ist diese lange Geschichte der Spitzenmedizin dorthin auch der Personen, die dort agiert haben.
00:07:24: ob das Wirhoh ist um ein Beispiel zu nehmen Dort wurde natürlich immer Medizingeschichte geschrieben und wird noch weiter Medizingsgeschichte geschrieben.
00:07:34: Das Besondere an der Charité ist auch diese intensive Verzahnung und Zusammenarbeit zwischen Forschung Und der Klinik, die extrem attraktiv ist auch für klinisch tätige Ärzte.
00:07:46: Die dort eben Spitzenmedizin erreichen können und damit auch die Grenzen in der Medizin zum Wohle der Patienten verschieben können.
00:07:56: Das ist glaube ich das was die Mythoscharität hier ausmacht.
00:07:58: da sind viele Neuerungen, viele Innovationen sind aus diesem Haus gekommen.
00:08:04: davon leben wir.
00:08:05: Es ist aber auch eine Verpflichtung für uns, das weiter am Leben zu erhalten und in die Zukunft zu bringen.
00:08:11: Das ist alles kein Selbstläufer!
00:08:12: Das sind wir an der Charité glaube ich alle sehr bewusst dass man dort sich anstrengen muss und dass man auch seinem Ruf Gerecht werden
00:08:22: muss.
00:08:22: Also diesem internationalen, diesen hervorragenden Ruf gerecht werden muss.
00:08:26: und da sind wir auch schon beim Thema Verantwortung.
00:08:29: wie viel Druck spüren Sie eigentlich persönlich wenn sie wissen dass eine Entscheidung über Leben und
00:08:36: Tod entscheidet?
00:08:37: Tja das ist jetzt ja sehr reduziert.
00:08:42: diese Frage Die Entscheidung überleben und tot ist ja nie eine Sekundenentscheidung.
00:08:48: Diese Entscheidungen im OP, was wir häufig im Fernsehen sehen jetzt musst du entscheiden und jetzt rettest du den Patienten das kommt vielleicht im kirurigen Leben maximal ein bis zweimal vor.
00:08:58: Die Entscheidung ist meistens eine Akkumulation von vielen Entscheidungen die dann zu einem Ergebnis führen und deswegen man muss jede Entscheidung also noch so klein die Patienten betrifft wie die Klinik betriffte Mitarbeiter betriften immer hinterfragen Weil eine Komplikation zum Beispiel die nicht mehr beherrschbar ist, die potenziell für den Patienten tödlich ist.
00:09:18: Ist eigentlich in den allerseltensten Fällen ein Unfall, eine Komplication sondern es ist eine Akkumulation von vielen kleinen Fehlern Die dann irgendwann mal zu einem Ergebnis führen das sie als Arzt nicht mehr kontrollieren können und dass dem Patienten auch wirklich umbringen kann
00:09:35: schlichtweg.
00:09:36: Aber gibt es in Ihrer Wieter als Chirurg Entscheidungen, die Ihnen bis heute nachgehen?
00:09:42: Natürlich!
00:09:44: Ich glaube jeder Chirurg der große Chirogie gemacht hat kennt Patienten.
00:09:49: nur was ich gedacht hatte hätte ich das nur nicht gemacht hätte ich nicht operiert hätte vielleicht der Patient noch zwei drei Jahre gehabt.
00:09:57: Die Komplikation, er ist an dieser Kompliktion verstorben.
00:10:00: Ich habe ihm potenziell Lebenszeit, man muss es sagen gestohlen.
00:10:04: Das sind natürlich lauter Dinge die wir als Chirurgen schon mit uns mittragen.
00:10:09: Es wird immer so gesagt ja ihr habt das Erfolgserlebnis Ja, die haben wir natürlich.
00:10:13: Wir helfen vielen Patienten aber da steht im Vergleich zu den Patienten wo sie nicht helfen konnten oder durch ihre Verantwortlichkeit Dinge passiert sind, die den Patienten geschädigt haben.
00:10:26: Da steht in keiner Relation.
00:10:27: Sie erinnern sich häufig nur an die negativen Ereignisse und die positiven Eregnisse denken sich Puh gut gegangen super freut mich!
00:10:37: Aber wie gehen sie persönlich damit um?
00:10:39: Wenn sie dann abends nach Hause gehen eine OP ist nicht gut verlaufen.
00:10:44: Sie machen sich selbst diese Gedanken ich hätte vielleicht doch nicht operieren sollen.
00:10:49: Wie gehen sie damit
00:10:50: um?
00:10:50: das ist Das ist schwierig.
00:10:52: Also ich habe eine sehr hohe Resilienz, das ist teilweise antrainiert, teilweise ist es auch vorhanden.
00:10:58: Ich komme aus einem Extremsport, ich bin früher sehr viel geklettert unter anderem hier in Dolomiten und ich bin viele Touren hier auch solo gegangen Wo ich schon die Entscheidungen da ging sie ja um mein Leben auch schon überlegen musste und auch entsprechend verantworten musste.
00:11:14: Ähnlich sehe ich es beim Patienten.
00:11:16: Wie ist es, wenn ich in der Situation wäre?
00:11:18: Würde ich das Gleiche machen.
00:11:20: Wie würde ich's bei meiner Frau machen oder mit meiner Mutter machen?
00:11:22: Ich glaube, das Schlimmste ist, wenn sie schlampe geworden sind und danach feststellen müssen... Da hast du jetzt einfach nicht aufgepasst!
00:11:32: Das ist etwas was man sich schwer verzeihen kann.
00:11:35: Ich möchte es nicht ausschließen aber häufig ist es so dass dann in der Reflexion man sagt
00:11:40: okay
00:11:41: was hätte ich besser machen können?
00:11:43: und wenn wir da nicht substanzielle Dinge findet, dann muss man irgendwann auch den Schluss machen und sagen gut das ist jetzt so passiert.
00:11:50: Und ich muss weitermachen?
00:11:52: Ich kann ja nicht in eine Immigration gehen und psychisch sprechen lassen sonst bin ich ein ganz schlechter Arzt.
00:11:57: also ich brauche Resilienz.
00:11:59: Aber können Sie sich selbst verzeihen?
00:12:01: Das ist eine sehr persönliche Frage!
00:12:06: Sie haben sich ja auch auf die Transplantationschirurgie spezialisiert.
00:12:10: Sie trahten im Jahr two-tausendneun die Nachfolge von Prof.
00:12:13: Margreiter an der Medizinischen Universität in Innsbruck an, Zunächst einmal kennen Sie den aktuellen Fall, der ganz Italien im Moment beschäftigt.
00:12:23: Den Fall des zweijährigen Domenico, der nach einer Herzplantation verstorben ist.
00:12:28: Da es beim Transport dieses Spenderherzens zu Problemen kam bzw.
00:12:33: das SpenderHerz nicht regelkonforme Geliefer transportiert wurde.
00:12:37: Der
00:12:38: Fall ist mir bekannt, er war ja also zumindest in der deutschen Presse war der Durchaus prominent auch in den Zeitungen.
00:12:45: Also ich habe das Pressewissen, sagen wir mal so.
00:12:48: Wie würden Sie an der Charité mit diesem Fall umgehen?
00:12:51: Der Fall hat ja mehrere Ebenen.
00:12:53: also im Prinzip was Fakt ist einfach dass zur Konservierung, zur Kühlung dieses Herzens das falsche Eis genommen wurde.
00:13:02: es ist eigentlich gar kein Eis nicht flüssiger aber halt gefrorener Stickstoff.
00:13:07: Also dieses Dry-Eis versus Crushed
00:13:09: Eis.
00:13:09: Trocken
00:13:09: Eis, ja?
00:13:10: Trocken Eis genau und das ist eigentlich das menschliche Versagen.
00:13:15: Wie es zu diesen menschlichen Versagen kam Ist wahrscheinlich jetzt auch Laufende Untersuchungen.
00:13:22: Das wird sicherlich ein juristisches Nachspiel haben.
00:13:25: Was man allerdings schon sagen muss Die Letztverantwortung hat derjenige Der transplantiert.
00:13:31: das ist ein eiserndes Gesetz.
00:13:33: Wenn ich einen Organ akzeptiere Einbau dann bin ich für diesen Patienten verantwortlich.
00:13:39: Also die letzte Verantwortung hat der Kirchwald.
00:13:43: Sie haben es angesprochen, dieser Fall ging auch in Deutschland durch die Medien.
00:13:48: welche Auswirkungen würde nun dieser Fall haben?
00:13:51: Denn wir wissen in Deutschland ist ja die Bereitschaft zur Organspende deutlich geringer als in vielen euren anderen europäischen Staaten.
00:13:59: Ich hoffe, dass das keine Auswirkungen hat.
00:14:02: Die Spende-Raten in Deutschland sind jetzt eh nicht weltmeisterlich hoch, wir sind eher im europäischen Vergleich so im letzten Drittel angesiedelt.
00:14:10: und natürlich jede Organspende die nicht verwirklicht werden kann da sterben Menschen.
00:14:14: ich habe nicht das Gefühl, dass es bislang dieser Fall, der wird allgemein als menschliches Versagen eben auch interpretiert und nicht als Systemfehler, das wäre deutlich schlimmer dass das substanzielle Auswirkungen hat.
00:14:28: Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es.
00:14:30: Aber worauf führen Sie zurück?
00:14:32: Dass die Bereitschaft zur Organspende in Deutschland geringer ist als in anderen europäischen Ländern, hängt das damit zusammen, dass es in der Vergangenheit vielleicht auch drickserein bei der Organvergabe gab?
00:14:42: Es gab diesen Organ-Vergabeskandal – das war jetzt wirklich schon über zehn Jahre her, zwölf.
00:14:49: Das war verheerend für die Für die Patienten, das war verheerend.
00:14:56: Von den Spenderaten haben wir uns da in Deutschland seitdem nicht mehr erholt und das ist eigentlich der Hauptauslöser gewesen.
00:15:05: Sie treiben ja seit dem Jahr zwei tausend achtzehn bereits Robotik- und KI künstliche Intelligenz an der Charité voran für ein seite im robotische assistierte Tumor Operationen durch.
00:15:17: aus ihrer Sicht eine Befreiung für die Medizin?
00:15:21: ist jetzt ein großes Wort, aber ein substanzieller Fortschritt.
00:15:25: Ich würde nicht sagen das es eine disruptive Technologie ist, aber für die minimalinvasiven Operationen und nicht nur die onkologischen ist es ein großer Schritt in die Zukunft.
00:15:37: Was man nicht vernachlässigen darf, die klassische laparoscopische Chirurgie ist technisch deutlich schwieriger als die robotische Chirogie.
00:15:46: viel mehr Ärzte werden in der Zukunft in der Lage sein, minimal massiv zu operieren.
00:15:50: Und letztendlich wird davon profitiert sind unsere
00:15:52: Patienten.".
00:15:54: Wird der Arzt die Ärztin in Zukunft also von einem Roboter ersetzt werden?
00:15:59: Vor allem in der Chirurgie?
00:16:01: Also ist das absolute Zukunftsmusik.
00:16:03: oder würden Sie sagen, dass funktioniert?
00:16:05: Das würde tatsächlich funktionieren!
00:16:08: Das ist sehr weit in die Zukunft gedacht.
00:16:10: Ich werde es sicher nicht mehr erleben, dass autonomes Operieren Standard wird.
00:16:16: bei ihnen weiß ich es nicht, sie sind deutlich jünger.
00:16:19: Ich möchte mich da jetzt nicht so weit aus dem Fenster lehnen.
00:16:21: aber wenn Sie ein anderes Beispiel nehmen wie weit sind wir von der Autonomie beim Autofahren weg?
00:16:28: Wie weit sind mir davon weg dass zum Beispiel ein Auto in der Rush Hour mit vielen Baustellen autonom unfallfrei durch Bozen durchkommt?
00:16:38: dann haben sich die Frage ein bisschen beantwortet.
00:16:40: und in der Chirurgie ist das ja noch viel komplexer.
00:16:44: Der Mensch bewegt sich Weil er atmet.
00:16:46: Wir verändern permanent die Landkarte sozusagen, weil wir ja operieren dran.
00:16:52: Das ist nicht wie beim Auto und feste Straßennetz das ich einmal eingeliesen habe.
00:16:56: Das wird permanent verändert.
00:16:57: Sie sehen dass sind deutlich höhere Herausforderungen um zum autonomen Operieren zu kommen.
00:17:03: Also so salopp gesagt in den nächsten fünfzig Jahren könnte schwierig werden.
00:17:08: Aber wenn Sie jetzt, wenn Sie uns vielleicht einen kurzen Einblick in die KI an der Charité geben also wo wird die KI im Operationshalt bereits eingesetzt?
00:17:19: KI ist überall da fast unschlagbar wo es um Mustererkennungen geht zum Beispiel eine Pathologie wo sie im Prinzip Muster erkennen müssen Zelltypen Radiologie Bilder Wo sind Tumor erkennen?
00:17:35: dort ist die KI wirklich extrem gut, wo die KI schlecht ist oder was heißt nicht schlecht?
00:17:41: Wo sie noch nicht so effizient sind.
00:17:43: Es sind Dinge, wo zu viele Entscheidungsäste sind.
00:17:47: KI ist ja nichts anderes als dass wir ein System Algorithmen an die Hand geben.
00:17:52: zum Beispiel damit ein Tumor in der Lunge erkannt wird sind hunderttausende von Bildern eingelesen worden.
00:17:58: Damit entsteht dann natürlich eine Bibliothek auf die die KI zurückgreifen kann.
00:18:02: In der Chirurgie zum Beispiel ändert sich das ja permanent.
00:18:06: Natürlich hat man da auch Standards, aber wir haben Variationen im Körper.
00:18:09: All diese Dinge!
00:18:10: Deswegen wenn Sie mich fragen wo wird es das erste sein?
00:18:13: Pathologie, Radiologie, Labormedizin – all diese Dinge die extrem standardisiert sind.
00:18:19: Wenn wir jetzt wieder auf die Roboter zu sprechen kommen beziehungsweise auch auf die Automatisierung wie sieht es dort mit den Pflegeberufen aus.
00:18:27: Für die Pflegeberufe ändert sich gar nicht so viel, weil es ist wenn wir operieren... Also
00:18:33: der Pflegeroboter wird nicht so schnell kommen.
00:18:36: Der Serviceroboter.
00:18:38: Tja!
00:18:39: Das kann schon sein, dass da die Erfolge schneller sind.
00:18:45: Also zum Essen austeilen und diese Dinge kann man durchaus Roboter nehmen.
00:18:49: Ich glaube es ist eine große Erleichterung auch wenn man telekinetische Systeme hat mit denen man zum Beispiel Patienten bewegen kann, heben kann.
00:18:57: das ist für die Pflege natürlich eine Entlastung.
00:19:00: Rückenschmerzen diese Dinge Es sind ja viele Tätigkeiten, die auch körperlich belastend sind.
00:19:05: Also dann glaube ich, werden wir relativ schnell fortschritte sehen.
00:19:08: Herr Professor Braske, wenn Sie auf die Medizin insgesamt blicken, welches Bild hat denn die Gesellschaft heute vom Arztberuf?
00:19:18: Ist der Arzt die Ärztin noch diese Vertrauensfigur, die sie einmal war oder hat sich dieses Verhältnis gewandelt?
00:19:26: Ich glaube das ist sehr individuell im Idealfall.
00:19:30: Ich habe schon gesagt, Ärzte sollten Menschen mögen und die Menschen sollten das auch merken.
00:19:36: Der Arzt, dass er ihnen gut ist möchte, dass sie ihn nicht helfen möchte.
00:19:42: Und wenn man das transportieren kann dann glaube ich es ein sehr enges Vertrauensverhältnis da.
00:19:48: Ich sage mal diese Götterin weiß, dass es obsolät.
00:19:51: Das war ja auch nie wirklich ein guter Ansatz.
00:19:54: Das waren dieses hierarchische Denken... ...das hat eigentlich in der Arzt-Patientenbeziehung nichts verloren.
00:20:00: Ich hoffe, dass wir es weiter trotz Arbeitsverdichtung und all diesen Dingen, das wir es auch in der Zukunft, dass es uns gelingen wird ein vernünftiges und vertrauensvolles Verhältnis unseren Patienten
00:20:10: aufzukommen.
00:20:11: Aber Sie würden sagen, der Arztberuf hat einen Vertrauen verloren in der Bevölkerung?
00:20:16: Vertrauen verloren.
00:20:17: ich glaube die Bevölkerung traut uns immer noch zu, gute Medizin machen können.
00:20:24: Sie wissen, dass wir wenig Zeit haben und manchmal nicht die richtigen Ansprechpartner sind für alle ihre Belange.
00:20:32: Ich glaube sie trauen uns exzellente Medizin zu aber sie wissen das wir teilweise zu viele Aufgaben
00:20:38: haben.
00:20:39: Und hier sind wir beim Thema Work-Life Balance – wie sieht es bei Ihnen aus?
00:20:43: Sie haben angesprochen, sie waren ein begeisterter Kletterer.
00:20:49: Ich bin es
00:20:51: immer noch und ich war erst vor zwei Wochen hier zum Ski-Tang mit meiner Frau.
00:20:55: Also das ist die Live Balance also es ist Sport und den kann man auch ein bisschen später am Abend machen.
00:21:02: Sie waren ja für viele Jahre an der Medizinischen Universität Innsbruck tätig, also das ist dir die Heimklinik vieler Südtirolerinnen und Südturoler.
00:21:11: Was haben sie denn aus dieser Zeit mitgenommen sowohl im Guten als auch im Schlechten?
00:21:16: Also im Guten habe ich mitgenommen dass die Tiroler- und Süttirolerpatienten extrem dankbar sind.
00:21:22: Also wenn ich mich da immer erschöne, wie für Rotwein und ähnliche Dinge dort angeliefert wurden.
00:21:28: Und ich immer noch Karten von Südtirol am Patienten bekomme die sich bedanken und die einen wirklich nicht vergessen.
00:21:36: das ist schon bemerkenswert also dass es schon eine Herzlichkeit und eine menschliche Zuwendung dir auch Ärzten gut tut.
00:21:43: Es war in Innsbruck einfach kann auch sagen Wir Innsbrucker, wir haben uns für Südtirol zuständig gefühlt.
00:21:50: Das war für uns jetzt nicht Ausland oder sonstige Dinge sondern Innsburg ist einfach die Heimatuniversität auch für die Südtiraler gewesen und so haben wir auch sozusagen agiert und so war unser Selbstverständnis.
00:22:05: Sehr schön, sehr schön!
00:22:07: Abschließend was wünschen Sie sich für die Medizin der Zukunft?
00:22:10: Für sich persönlich aber auch für unsere Gesellschaft?
00:22:14: Ich wünsche für die Medizin der Zukunft, dass wir genügend Kolleginnen und Kollegen haben, die diesen wunderschönen Beruf ergreifen.
00:22:22: Dass unsere Gesellschaft diesen Arztberuf nicht unattraktiv macht – das wünsch ich mir dafür!
00:22:28: Und ich wünsche mir auch für die Zukunft einfach teilweise mehr Zeit um auf die Patienten individuelle Eingehen zu können.
00:22:37: Es ist leider teilweise auch ein Zeitproblem.
00:22:40: Herr Prof.
00:22:40: Bratschke, ich bedanke mich vielmals für das Gespräch und für Ihren Einblick in die Charité und Ihre ganz persönliche
00:22:47: Arbeit.
00:22:47: Ja gerne, war meine Freude!
00:22:50: Danke schön!
00:22:51: Nach diesem Gespräch mit Professor Johann Bratsche blicken wir jetzt wie in jeder Ausgabe dieses Podcasts auf der aktuelle FF.
00:22:59: Worüber berichten wir diese Woche?
00:23:10: Einkaufs-Tour war.
00:23:11: Kurz vor Ostern übernahm das Verlagshaus, ja die Sender Südtirol I Radio Tirol und die Nachrichten Redaktion Südtior Journal – und nur zwei Wochen später dann auch noch die Senter Antenne Radio zweitausend Radio Edelweiß unter Stadtradio Posen.
00:23:27: Damit befinden sich nun rund neunzig Prozent des deutschsprachigen Privatradiomarktes in Südtiyorl im Besitz des Medienriesen.
00:23:36: Silke Hinterwalder ist in der Titelgeschichte der Frage nachgegangen Warum denn Michl und Georg Ebner jetzt so viele Radiosender kaufen?
00:23:44: Welche Folgen, dass wir eine demokratische Öffentlichkeit hat.
00:23:47: Und
00:23:48: was ein Meinungsmonopol für Südtirol bedeutet?
00:23:51: André Wert hat dazu den künftigen Artisiaschew-Georg Ebner befragt.
00:23:55: im Interview sagt dieser Der Medienmarkt ist unter Druck.
00:23:58: Von einem Medienmonopol möchte er aber nichts wissen.
00:24:02: Werd hat mit dem künftigen Adésia-Boss aber nicht nur über die jüngste Shoppingtour gesprochen, sondern auch über die künftigsten Strategien und was er denn als nächstes kaufen will.
00:24:14: Alexander Aschbacher hat sich mit Nadine Thomasett getroffen der Vorsitzenden des Landesbeirats der Schüler und sie hat mit ihr über diese Schuljahr gesprochen – ein Schuljah, das ja gekennzeichnet war von den Protestmaßnahmen der Lehrkräfte.
00:24:27: Sprich es gibt keine Ausflüge, keine Leerausgänge, keine Projekte mit Fachleuten von außen!
00:24:33: Welche Folgen, das für die Schülerinnen und Schüler hatte?
00:24:35: Das lesen Sie in der aktuellen FF.
00:24:38: Und abschließend darf ich jetzt noch auf das Borddreh in dieser Woche verweisen.
00:24:42: Markus Lacher bortretiert.
00:24:44: Magdalena Pratzner Die Enologin führt seit einigen Jahren das Weingut Falkenstein in Naturns Ein Weingud, dass ihre Eltern über die Provinzgrenzen hinaus bekannt gemacht haben.
00:24:55: In den letzten Jahren, also in der Mitte des Jahrhunderts, wurde ihr Riesling als erster Wein dieser Sorte in Italien mit den drei Gläsern vom Gambero Rosso ausgezeichnet.
00:25:05: Die Fußstapfen, in die Magdalena Pratzner getreten ist sind also groß – aber sie fühlt sich wie Markus Lacher schreibt mittlerweile mit bravur aus!
00:25:15: Und zudem isst sie seit dem Jahrhund zwanzig auch noch Präsidentin der Freien Weinbauern ins Südtirol.
00:25:23: Ja, und das war's für diese Woche.
00:25:24: Den nächsten FF-Podcast.
00:25:26: Den gibt es in einer Woche wieder wie immer am Donnerstag!
00:25:29: Denn Donnerstag ist der FF Tag.
00:25:30: Machen Sie's gut!
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