Julian Prast: Was läuft schief in Südtirol?

Shownotes

Seit August betreibt der 29‑jährige Julian Prast den Kanal „Let’s talk Südtirol“. Der gebürtige Brixner kommentiert dort, was ihn beschäftigt: den Bettenstopp, die Macht der Athesia oder den Rechtspopulismus. Prast lebt in Wien, er hat dort Geschichte und Germanistik studiert – und ist in der österreichischen Bundeshauptstadt geblieben. Inzwischen unterrichtet er dort an einer technischen Oberschule Geschichte, Deutsch und Medientechnik. Südtirol aber lässt ihn nicht los.  Im _ff‑_Podcast spricht er mit Andrej Werth aber nicht nur über politische und gesellschaftliche Themen. Es geht auch um seinen persönlichen Blick auf Südtirol, warum er nicht in seine Heimat zurückkehren möchte und wie sich das Land aus der Distanz verändert. Außerdem spricht Prast über die Rolle von Social Media, die Zukunft der Medien und darüber, warum er der Meinung ist, dass die Süd‑Tiroler Freiheit seinen Urgroßvater Sepp Kerschbaumer politisch instrumentalisiert.

Moderation & Redaktion: Andrej Werth

Produktion: Verena Pliger

Mitarbeit: Verena Pliger

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Transkript anzeigen

00:00:01: Aufs Ohr.

00:00:02: Der Podcast der

00:00:04: FF mit André Wert.

00:00:08: Liebe FF-Hörerinnen und FF Hörer, wenn ich jetzt die Gardinen in unserem Podcaststudio zur Seite schieben würde dann würde ich auf eine ziemlich banale Häuserwand aber auch auf ein paar bunte Blätter und verschämte Sonnenstrahlen sehen.

00:00:22: Es ist Herbstwetter.

00:00:23: Sie hören es meiner Stimme an.

00:00:25: Ich hatte gerade einen Männer Schnupfen Und bin froh dass ich noch am Leben bin.

00:00:29: Wir nehmen diesen Podcast am Mittwoch, den October, es ist kurz vor neun Uhr.

00:00:35: Mir gegenüber im Studio sitzt Julian Prast.

00:00:38: Er ist neunundzwanzig Jahre alt und ist nach seiner Matura von Brixen nach Wien zum Studium gezogen und arbeitet dort heute als Lehrer für Deutsch Geschichte- und Medientechnik an einer technischen Oberschule.

00:00:51: Das ist jetzt aber nicht der Grund wieso er bei mir im Studio zu Gast ist.

00:00:55: Seit August zwanzigfünfundzwanziger betreibt Julian seinen eigenen Videokanal Let's Talk Südtirol.

00:01:02: Darin verhandelt er in wenigen Minuten komplexe Fragen, zum Beispiel den Ärztemangel, den Bettenstopp die Macht des Arthesiekonzerns oder warum in Südturol die Diskotheken sterben und er hat damit Erfolg.

00:01:15: Seine Videos werden im Durchschnitt fünfzigtausend Mal angeklickt – das ist nicht wenig!

00:01:20: Zu seinem Followern gehört mittlerweile die halbe Landesregierung allen voran Landeshauptmann Arnold Kompatscher oder zumindest sei Medienteam.

00:01:29: Nicht Letz für jemanden, der davor öffentlich nie in Erscheinung getreten ist.

00:01:36: Hallo Herr Brast!

00:01:37: Hallo!

00:01:39: Schön dass ich da sein darf.

00:01:40: Herr Bras, in Wien gibt es diese Wochen Herbstferien – eine Woche früher als ins Südjohl.

00:01:45: deswegen sind sie zurzeit hier.

00:01:47: In Wien ist der Himmel heute Vormittag aber etwas Wolken verhangen.

00:01:50: das konnte ich noch online recherchieren.

00:01:52: was sich natürlich nicht wissen kann ist... Was haben Sie denn für einen Ausblick?

00:01:57: wenn Sie aus Ihrer Wohnung in Wien schauen.

00:01:59: Auch eine banale Häuserwand?

00:02:02: Teils, teils!

00:02:03: Also ich habe eine kleine Terrasse auf die ich mich hinaus begeben kann.

00:02:06: da gibt es ein bisschen mehr Panorama über dem fünften Bezirk in Wyn ganz rechts aus in der Ecke wenn man sich an die richtige Stelle stellt und sieht man auch noch das oberste Zippelchen vom Schloss Schönbrunnen bzw.

00:02:19: der Gloriet gegenüber, also für Wiener Verhältnisse tatsächlich sehr luxuriös würde ich mal behaupten aber auch genug Häuserwände im Umkreis.

00:02:28: Das

00:02:29: klingt eigentlich ganz fein!

00:02:31: Ich frage das deswegen auch weil wenn ich mir jetzt ihre Videos ansehe klingt alles weniger fein so als wäre die Aussicht etwas schwieriger.

00:02:39: man bekommt den Eindruck in Südio läuft insgesamt nicht wirklich so gut.

00:02:45: Das

00:02:47: ist ein großes Jein, eine sehr schwer zu beantwortende Frage.

00:02:52: Ich glaube mit Südtirol muss man immer mit dem Einleitungssatz beginnen ja es gehen viele Dinge gut auch in einem überreichenden Vergleich sei es auf Italien bezogen sei es teilweise auch auf angrenzender Länder bezogen.

00:03:03: Fakt ist aber Südturol hat sehr viele strukturelle Themen die sich entwickeln auch schon seit einigen Jahren entwickeln Und dessen Tendenz immer dann erst, also dass das Aufkommen davon erst dann stattfindet wenn eigentlich schon die strukturellen Probleme so ausgeartet sind.

00:03:18: Dass es sehr schwierig ist das anzugehen und ich glaube da setze ich dann doch gerne mal einen anderen Thema.

00:03:24: Was wäre denn das für Themen?

00:03:25: Ein paar habe ich ja schon genannt.

00:03:26: aber was sind denn sonst strukturale Probleme die es in Südtirol gibt?

00:03:30: Also... Aus

00:03:31: Sicht eines neunundzwanzigjährigen.

00:03:32: Also mein aus Sicht eines neuen und zwanzigjährigen Wirtschaftsflüchtlings würde ich mal ganz stark behaupten Jungabwanderung Also, dass junge ausgebildete Menschen das Land in sehr großen Mengen verlassen.

00:03:43: Auch zunehmend tendenzsteigend ist ein sehr erschreckendes, sehr erschreckende Kennzahl die dieses Land vorsichert und die glaube ich vieles aussagt wie junge Menschen die Zukunft wahrnehmen im land auch ihre zukunftschancen sowohl finanziell Ausbildungstechnisch berufstechnische.

00:03:59: da kommen viele Themen mit rein.

00:04:02: Die Folgeerscheinungen dieser Abwanderung, dieses Braindrains und des Humankapitalverlusts kommen erst noch.

00:04:08: Also natürlich merkt man es schon jetzt in gewissen Lebensbereichen.

00:04:11: Ich glaube so richtig die Rechnung dafür wird erst in zehn, zwanzig, dreißig Jahren aufscheinen.

00:04:17: Und da habe ich sehr viel Sorge und Angst davor.

00:04:22: andere Thematiken, die glaube ich in Südtirol auch immer präsenter werden ist eine verstärkte Verschiebung nach rechts beziehungsweise rechts außen im politischen, sowohl im Diskurs als auch einfach.

00:04:34: Also wie es öffentlich ausgetragen wird sei es in Talkshows, sei es medial auf Social Media vor allem.

00:04:40: wir sind jetzt am Punkt angekommen dieses Jahr dass auch Südtiroler LandespolitikerInnen gerne mal auf KI-Videos zurückgreifen und fast schon ich weiß nicht erinnert ein bisschen an so das Trump Video der dann irgendwie einen Tiger einfängt was KI generiert ist oder sonst.

00:04:54: das ist sehr Es hat sich sehr verschoben, also auch der Ton und die Art und Weise wie diskutiert wird.

00:05:00: Und ich glaube da ist auch hinzuschauen, wie sich die Strukturänderheit der Politik gerade verändert.

00:05:05: Also let's talk!

00:05:06: Wenn Sie die Wahl hätten eine Stunde lang einen FF-Podcast zu moderieren was wäre das Thema, über das sie sprechen

00:05:11: würden?

00:05:12: Wahrscheinlich Jugendabwanderung auf ganz schnell zweiten Rang dann wahrscheinlich Rechtpopulismus bzw.

00:05:18: Umgang mit Rechtspopulismus im Land.

00:05:20: Dann sprechen wir doch etwas, was in Südtirol immer geht Die Frage der Identität.

00:05:25: Vergangenen Sonntag am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertages organisierten die Schützen im Boots in einem Marsch einen sogenannten großen Zapfenstreich.

00:05:34: Alessandro Urzì, Kammerabgeordneter von Fratelli d'Italia sprach daraufhin von einer Provokation und erinnerte an den nationalsozialistischen Anschluss.

00:05:44: Dann meldeten sich unter anderem die Südtiroler Freiheit und die SVB zu Wort ist der F-Frontmann Sven Knoll erklärte unsere Identität ist keine Provokktion!

00:05:54: Unter Fraktionschef der SVP Harald Stauder meinte zum eigenen Koalitionspartner, also Fratelli d'Italia, Hände weg von unseren Traditionen.

00:06:02: Willkommen in ihrer Heimat Herr Prast!

00:06:05: Ja schön mal wieder hier zu sein.

00:06:09: Die Schützen fallen nicht zum ersten Mal auf auch international, das ist ja über Landesgrenzen hinaus darüber berichtet worden.

00:06:15: Der Standard beispielsweise hat sich zur Veranstaltung der Schützen geäußert.

00:06:21: Also das zieht schon immer wieder viel Aufmerksamkeit auf sich, auch wie man erkennt in dem öffentlichen Diskurs.

00:06:27: Da ist ganz, ganz viel Kontaktpunkt da wo sehr schnell das Thema Identität Heimat verhandelt wird.

00:06:33: Auch diese Wechselwirkung zwischen Schützen sind ja ein Überbleibsel aus monarchischen Zeiten und haben sich gehalten sozusagen bis jetzt verstehen sie selbst auch sehr als Kulturträger und Identitätsstiften des Elementes.

00:06:48: Also da sieht die Rolle allgemeiner der Deutschsprachigen gleichzeitig ecken sie oft sehr, sehr stark an wie man merkt auch teilweise.

00:06:56: meiner Meinung nach ist meine Ansicht nach einmal mit bewussten Provokationen.

00:07:00: also ich glaube schon dass sich beide Seiten der Symbolwirkung ihre Handlung durchaus bewusst sind.

00:07:06: Spannend wird es dann eben, wenn es um diese Patriotismus-Frage gibt und diese Heimatfrage... Ich glaube da ist das immer ganz toll.

00:07:13: Also ich zitiere da sehr gerne Schoppenhauer, wenn nicht in der Schule.

00:07:17: Jetzt lassen Sie ein bisschen die Lehre raushängen?

00:07:18: Ja jetzt lasse ich ein bisschen eine Lehre raushängen.

00:07:20: Aber so Schopenhauer sagt jetzt natürlich ein bisschen altdeutsch und sehr viel überspitzt aber er sagt halt.

00:07:25: wer also Nationalstolz ist sehr billig!

00:07:28: Der behauptet, dass es sehr einfach ist national stolz zu haben.

00:07:32: Denn für Nationalstolz braucht man nichts als eine nationale Zugehörigkeit.

00:07:35: Da ist noch keine eigene Leistung mit verbunden da ist jetzt kein Beitrag sozusagen bis zu diesem Punkt geschehen.

00:07:44: Es ist deshalb sehr einfach sich darauf zu berufen Dass man stolz ist auf das was eine Nation oder eine Region und eine Ortschaft geleistet hat Weil man selber noch gar nicht dafür die Verantwortung nehmen muss, weil das eigene Handel dann auch nicht mit reingeflossen ist.

00:07:58: Wenn wir das jetzt aber weiterführen, dann ist halt auch die Frage okay wenn man das jetzt umdreht bezüglich naja Nation also wie dieses nationalgefühle Maus gehandelt wird.

00:08:05: und es hat auch die frage ok was machen diese Personengruppen jetzt für oder vielleicht auch nicht für Das land?

00:08:12: Und ich glaube da gilt es hinzuschauen auch zu schauen na ja wie wird denn südtirol Also geframed die identität wer ist denn der Südtiroler in

00:08:20: Was ist für Sie Heimat, Herr Prast?

00:08:22: Wenn wir schon über dieses Thema

00:08:23: sprechen.

00:08:24: Oah!

00:08:25: Großes schwieriges Thema... Ich glaube, Heimat ist ein Ort der... Also generell mal ... Ort hat auch einen lokalen Bezug.

00:08:37: Heimat lässt sich nicht nur auf eine... Prixen.

00:08:38: Prixens ist meine Heimat richtig.

00:08:41: Südtirol.

00:08:42: Ja, da stehe ich noch weiter zu.

00:08:43: Auch wenn ich jetzt fast zehn Jahre im Ausland lebe.

00:08:47: Und vor allem Brixen dann ist und bleibt meine Heimat auch ein Ort, indem ich immer noch viele... Wie heißt das?

00:08:51: Das bedeutet dass ich hier einen Rückzugsort habe.

00:08:54: Das heißt wenn ich mal aus dem Großstadtgetummel flüchten will, dann kann ich gerne mal in Brixen ein bisschen Ruhe finden.

00:09:02: Das kann man auch in einem Zweitwohnensee zu deinem Ferienhaus.

00:09:05: Ja, wenn man die finanziellen Mittel dazu hat wahrscheinlich potenziell gut möglich.

00:09:09: Bei mir ist es tatsächlich so.

00:09:11: ich gehe dann bei der Familie vorbeischauen.

00:09:13: leider gibt's keinen Luxuschallee indem ich mich dann entspannt sonnen kann auch wenn die Vorstellung an manchen Tagen doch nicht so schlecht wirkt.

00:09:20: aber ich glaube Es ist auch schön dass man einfach nach Hause kommen kann.

00:09:23: sozusagen zu den Eltern.

00:09:25: Warum sind Sie denn damals Nachrichten gegangen?

00:09:27: Grundlegend für die Ausbildung.

00:09:28: Also ich bin ja Lehrer geworden, Oberstufen-Lehrer und dafür die Ausbildung vor allem jetzt Deutsch als Erst- und Unterrichtssprache.

00:09:37: Das Studium wird hier sozusagen nicht in Südtirol selbst angeboten sondern dafür muss man ins Ausland gehen.

00:09:41: das heißt entweder Österreich, Deutschland oder Schweiz als Standort wählen.

00:09:45: bei mir ist die Wahl dann auf ihn gefallen.

00:09:47: Anfangsstudium, natürlich auch ein bisschen diese Vorstellung von was ist mit dieser Welt da draußen?

00:09:53: Südtirol hat knapp über fünfhunderttausend Einwohnerinnen.

00:09:56: Wien allein macht fast zwei Millionen Menschen aus also viermal Südtirals Bevölkerung.

00:10:00: zusammen.

00:10:02: gepresst auf einen Ort war für mich glaube ich vor allem dem Alter mit den neunzehn Jahren sehr sehr verlockend und interessant.

00:10:09: Wie schaut man denn auf Südtiraul wenn man in Wien als Student lebt?

00:10:12: gar nicht kritisch voll heimweh mit Fremdschirm Die Provinz.

00:10:18: Alles davon und nichts, also ich glaube erstmal es gibt ganz unterschiedliche Art und Weise die Menschen auch sozusagen ihre Südtiroler Heritage, also ihren Ursprung da leben.

00:10:29: Also ich war zum Beispiel, mach mal in der Südrolle Hochschülerinenschaft zugegen.

00:10:33: Da ist ein sehr, sehr enger Austausch...

00:10:35: Beim Watdonier

00:10:36: oder?

00:10:36: Nein nicht beim Watdoniert tatsächlich!

00:10:38: Ich bin da ein Landesverräter wenn man so schön sagen möchte.

00:10:40: Ich hab bis heute noch keinen Watten gelernt und habe mich da quergestellt.

00:10:44: Es ist immer noch das regelmäßige Streitpunkt.

00:10:48: Leider beim Warten kann ich nur als Zuschauer mitwirken.

00:10:51: Aber, ich hab doch auch einige Personen gekannt schon über vorangehende Kontakte in Brixen und da auch ... Als Student hat das mich schon interessiert.

00:10:58: Na ja wie schaut denn die Vertretung von mir Südturl seitens aus?

00:11:03: Und was gibt's dafür?

00:11:04: Punkte, die wichtig sind oder andere Menschen liegen?

00:11:07: Wir haben sehr auf ihre Heimat geschaut als Student.

00:11:10: Also auf die Heimat habe ich geschaut am Anfang mit viel so ein bisschen.

00:11:15: Ich glaub diesen jugendlichen Übermut, dass man halt sagt so ja okay das komm ich halt her.

00:11:21: Ich formuliere bewusst überspitzt dieses Kaffee wo alles noch ein bisschen langsamer geht.

00:11:25: und jetzt bin in der Großstadt immer so viel Kultur und es findet so viele Staate und ist immer soviel Bewegung.

00:11:31: Je älter ich geworden bin, desto mehr habe ich Ruhe wertschätzen gelernt.

00:11:34: vor allem auch glaube ich viele Lebensbedingungen die in Südtowoll da sind, die man glaube nicht im ersten Moment als Qualität erkennen kann.

00:11:42: Beispielsweise Natur, also man hat sofort Zugang zu Natur in fast allen Ortschaften.

00:11:49: Es ist sehr einfach ein bisschen entschleunigter voranzukommen.

00:11:53: Also Fahrrad fahren wird nicht zur Überlebensprobe ermorgen.

00:11:56: Und wie haben Sie politisch auf das Land geschaut aus dem sie stammen?

00:11:59: Politisch erstmal mit sehr viel Verdruss würde ich sagen dass wir einfach... Das Gefühl hat, als junge Person die Anliegen junger Menschen sind für mich sehr wenig vertreten gewesen auch wie Politikerinnen und Politiker kommuniziert haben.

00:12:15: Dann im Langfristigen also es gab eine Zeit wo ich einfach Südtirol sehr wenig im Blickfeld hatte vor allem auch die Südturler Politik.

00:12:21: da war ich eigentlich sehr entkoppelt von dieser Realität und habe mich stärker auf mein Lebensort fokussiert.

00:12:26: Vor ziemlich genau einem Jahr meinten sie zu meinem Kollegen Alexander van Gärven Sie hätten ihre Zweifel wieder zurück nach Südtiral zu kommen.

00:12:36: Sie haben sich selbst davor einen Wirtschaftsflüchtling genannt, wieso eigentlich?

00:12:40: Also wie so zögern sie zurückzukommen oder hat sich das jetzt in einem Jahr vielleicht auch etwas geändert?

00:12:46: weiß ich nicht?

00:12:47: Nein, das Zögern ist weiter da bleibt weiter.

00:12:50: da wird glaube ich immer ein Teil bleiben bis dahin vielleicht zukünftig eine andere Entscheidung getroffen wird.

00:12:56: Es gibt eben viele Punkte, das Wirtschaftsflüchtling ist glaube ich ein ganz großes.

00:12:59: also allein wenn man das ganze rein ökonomisch betracht und mein Gehaltsunterschied durch die Arbeit in Österreich macht jetzt aktuell um die fünf bis acht tausend Euro nette aus den genauen Betrag es schwierig zu nennen weil es jedes Jahr mit der Stundenverteilung anders aber faktisch verdiene dieselbe Lehrtätigkeit in Österreich unter anderen Bedingungen.

00:13:19: Mehr, was natürlich von meiner Zukunftsperspektive doch auch eine grundlegende Frage war.

00:13:24: Andere Thematiken sind dann verfügbarer Wohnraum im Südtirol.

00:13:28: also würde ich überhaupt eine Mietwohnung finden.

00:13:31: also wo ich sage okay damit bin nicht zufrieden das geht sich aus das passt und geht da nicht zu viel meines Gehalts dafür verloren.

00:13:40: Ich würde auch sagen darüber hinaus, also wir haben jetzt nicht nur ökonomische Faktoren das sind natürlich... Es

00:13:44: geht viel ums Geld!

00:13:46: Ja aber ich würde überhaupt nichts sagen dass sich sehr ökonomisch veranlagt wenn im Gegenteil.

00:13:51: Also ich habe bewusst zwei Studienfächer gewählt wo ich eigentlich vor Zahlen und Statistik flüchten wollte.

00:13:57: wie immer im Leben wenn man sich vor was drückt es kommt irgendwann zurück so auch mit meiner Lateinprüfung im Studium.

00:14:02: das habe ich wohl dann doch nicht vermeiden können.

00:14:05: Aber Fakt ist unser Leben ist sehr, sehr an Ökonomie und Geld gebunden und wir müssen glaube ich anerkennen dass Geld ein zentraler Faktor ist in allen Entscheidungen egal wo

00:14:16: Sie meinten.

00:14:17: zu meinem Kollegen Alexander Vergerven dann auch sprachens über Perspektivlosigkeit und mangel politischer Partizipation da bin ich dann auch ausgestiegen muss ich sagen also

00:14:28: Gut, okay.

00:14:30: Also wenn ich den Punkt vielleicht illustrieren soll Perspektivenlosigkeit in dem Sinne dass je nach Berufsfeld ganz andere Chancen da sind.

00:14:37: Es gibt berufliche Perspektive die man hier sehr gut wahrnehmen kann beispielsweise Hotel- und Gastwirtschaft auch mache industrielle Fertigungsprozesse.

00:14:45: andererseits also natürlich in der Forschung Gibt's große Lücken?

00:14:49: Natürlich ist eine Skala da kann nicht alles abgedeckt werden.

00:14:51: aber heißt natürlich das auch Personen die beispielsweise einen sehr, sehr hohen Studientitel erlangen.

00:14:56: Also bis hin zu ein Doktorat dass sie vielleicht in Südtirol per se als Standort überhaupt nicht die Möglichkeit haben sozusagen ihren Ausbildungsmöglichkeiten nachzugehen ist auch verständlich den Umständen entsprechen.

00:15:06: aber natürlich das ist mal eine Perspektive.

00:15:09: Das

00:15:09: ist jetzt allgemein gesprochen nicht auf Sie bezogen

00:15:11: Allgemein gesprochen Aber auch dann, also ich würde sagen bei mir in einer Perspektive.

00:15:16: Es wäre mehr Aufwand für mich gewesen in Südtirol-Lehrer zu sein als in Österreich wo ich eigentlich sage es sollte umgekehrt sein und ich glaube das ist auch ein Teil der Perspektiven.

00:15:25: Politische Partizipation?

00:15:26: Politische Partyzipation ja!

00:15:28: Also da stehe ich bis heute dahinter, dass politische Partizipation von jungen Menschen sehr wenig vorangetrieben wird bzw.

00:15:35: auch sehr wenig Vertretung hat.

00:15:38: Da fällt jetzt gleich mal ein Bild ein und man denkt an den Herrn Zehner Oberkopfler von den Grünen ist ja doch ein Vertreter meiner Generation noch meiner Altersgruppe.

00:15:45: Ich würde aber sagen darüber hinaus wird Politik in Südtirol von sehr vielen Personen gemacht die eigentlich näher am Altersschnitt sind beziehungsweise über dem Altersdurchschnitt des Landes.

00:15:55: Und ich glaube schon, dass Perspektive da sehr wichtig ist und die Lebensrealität junger Menschen nicht genug besprochen bzw.

00:16:02: auch erfasst wird.

00:16:03: Das könnte man dann ändern wenn man sich selbst engagiert.

00:16:06: Es war tatsächlich das Video.

00:16:08: um wieder auf das Gehalt der Lehre zurückzukommen es war tatsächlich DAS das Video das bis heute im öftesten angeklickt wurde.

00:16:14: hundertdreißig tausend Mal!

00:16:17: Das ist richtig viel.

00:16:18: warum glauben Sie denn das gerade dieses Video so großen Erfolg hatte?

00:16:23: Ich glaube, weil es in dem Fall eine Berufsgruppe angesprochen hat.

00:16:28: Die sehr aktiv geworden ist zu diesem Zeitpunkt.

00:16:31: also da ging es ja nicht nur darum dass ich jetzt einen informativen Beitrag dazu gemacht habe was findet da gerade statt?

00:16:36: oder was ist in diesen Berufsfeld gerade der Krisenpunkt?

00:16:39: sondern auch das viele Personen sei es gewerkschaftlich sei es durch beispielsweise die Bildungsinitiative Südtirol sehr aktiv dahinter waren dann gerade Wandel herbeizubringen d.h.

00:16:49: Es war eine Thematik die zu diesem zeitpunkt ausverhandelt wurde und allem, die kontrovers medial gehandhabt wurde.

00:16:55: Also ich bin mediale Darsteller von ins Premiere sehr viel aufgekommen und... Ich glaube eben, es hat den Zeitgeist getroffen.

00:17:03: Einerseits weil es da wirklich darum ging naja Bildung ist ein Thema das betrifft uns alle.

00:17:06: entweder waren wir mal selber Schüler-Schülerinnen oder sind heute dann Eltern die Kinder zur Schule bringen?

00:17:12: Oder haben sonst irgendwelche nostalgischen Verbindungen zu... Also Schule ist immer ein Thema dass gesellschaftlich sehr breit wahrgenommen wird einfach deshalb weil jeder einen Berührungspunkt

00:17:22: kann.

00:17:23: Ja, natürlich.

00:17:24: Ich glaube zu Schule gibt es ganz viele kontroverse Meinungen.

00:17:28: Es gibt genug Zündstoff wo man auch sagen könnte und man schreibt ein Jahr lang nur über Schule

00:17:33: Sie arbeiten als Lehrer in Wien wollen dort auch bleiben aber Südtirol scheint ihnen doch definitiv keine Ruhe zu lassen.

00:17:41: oder warum gibt es Ihren Kanal?

00:17:44: ja also das lässt mir keine ruhe.

00:17:46: ich glaub das trifft es tatsächlich sehr gut.

00:17:48: ich sitze da manchmal abends Zuhause und es ist dann zwei Uhr morgens Boah, in dieser Debatte hat das da gesagt und so.

00:17:56: Das geht ja gar nicht die jungen Menschen in Südtirol.

00:17:58: Und also ist ich glaube schon dass Also Ja es ist einerseits natürlich man kann es sehr sehr stoisch betrachten sehr sehr abgeklärt und sagen naja okay Ich bin jetzt erweit weg von Südtüren

00:18:08: regt sie auf.

00:18:10: Ja, natürlich regt mich Südtirol auf.

00:18:11: Also ich wünschte es dem wäre nicht so.

00:18:13: aber ja natürlich!

00:18:14: Ja also das ist ein Ort wo ich herkomme, mit dem ich viele Berührungspunkte habe und auch immer noch große Teile meines sozialen Netzwerkes da sind ich ja befreundlich, ich treffe auch sonst sehr sehr sehr viele interessante Personen in Südturol die teilweise auch dort sind, teilweise auch ausgewandert sind.

00:18:29: Aber warum dann der Kanal?

00:18:30: Also der Kanal, ursprünglich glaube ich war da für eine selbst wahrgenommene Lücke eben wie über Südtirol gesprochen wird medial.

00:18:39: Ich hatte den Eindruck dass er erstmal sehr wenig auf diese neue digitale Umstellung aufgesprungen sind.

00:18:46: von klassischen Medienhäusern, also natürlich mittlerweile hat glaube ich jede Zeitung jedes Medienhaus.

00:18:53: Die haben Social Media in irgendeiner Form.

00:18:56: was mir aber vor allem gefehlt ist auch die Sprache der Plattform wo jetzt auch nicht behaupten würde ich allein spreche die Sprach einer Plattform.

00:19:02: im Gegenteil Ich glaube ich bin immer noch viel zu akademisiert.

00:19:04: Die Uni hängt mir da doch noch ein bisschen nach Aber ich wollte eine Sprache sprechen die glaube ich Auch Menschen erreicht diesen sonst nicht mehr die Berührungspunkte haben zu klassischen Medien.

00:19:16: Sie sagen, Medien wie die FF haben nur eine begrenzte Durchschlagskraft in den sozialen Medien und ich glaube sie verstehen sich irgendwo auch ein bisschen als Aufklärer verbacken in ihre Videos aber wirklich sehr viele Informationen.

00:19:28: also sind sehr dichte Videos.

00:19:30: Sind Schülerinnen zwischen zwölf und achtzehn Jahren wirklich die Leute, die diese Videos anschauen?

00:19:37: Oder wen wollen sie denn erreichen?

00:19:39: Also meine Statistik besagt klar, nein.

00:19:41: Das ist nicht die Zielgruppe, die ich primär erreiche sondern tatsächlich sind das Personen in meinem Alter.

00:19:45: also wir reden vor allem altersspannende und zwanzig bis fünfundreißig mit Abstand Die größte Zuschauerinnengruppe wobei die generelle Verteilung also über die Altersbereiche und auch über Geschlecht doch sehr sehr Es ist ein teilweise demografisches abbild Und auch sehr sehr mittig gehalten.

00:20:05: sowohl Männer als auch Frauen kommen ungefähr zugleich in Teilen zu meinen Beiträgen.

00:20:11: Je nach Thema gibt es eine stärkere Gewichtung, zum Beispiel immer wenn wir bei Rechtsextremismus sind oder sehr rechten Themen sind dann plötzlich bei sehr viel mehr männlichen Zuschauern hingegen bei Bildungsthemen sozial und durchaus auch mal mehr weibliche Zuschauerinnen.

00:20:24: also das verteilt sich ein bisschen.

00:20:26: Aber die Tatsache ist, wenn wir jetzt darüber reden, dass Zwölf- bis Achtzehnjährige nicht durch mein Format erreicht werden oder nicht so viel.

00:20:33: Da würde ich erst mal umgekehrt die Frage stellen, na ja okay wie viele journalistische Beiträge hat man sich dann mit dreizehn angeschaut?

00:20:40: Also ich würde mal sagen ok ich ja privat schon weil es... also in meinem Deutschstudium das war naheliegend, dass ich auch solche Formate sehr spannend finde.

00:20:47: aber faktisch junge Menschen konsumieren sehr, sehr wenig Inhalte von Nachrichten.

00:20:52: Auch Weltgeschehen im Allgemeinen, also tatsächlich da ich ja regelmäßigen Diskurs mit jungen Menschen bin... Was

00:20:58: interessiert junger Mensch?

00:20:59: Was interessert junge Menschen?

00:21:02: Große Bandbreite!

00:21:03: Ich glaube ein riesiges Thema ist Identität wird es immer bleiben, also jede Generation.

00:21:09: aber die jetzige Generation hat eine riesige Identitätskrise weil Die Welt, die ... also diese neoliberale Vorstellung der Leistung bringt einem irgendwo hin und wenn man nur hart genug arbeitet oder hart genug macht dann geht sich alles aus.

00:21:23: Das ist eine Frage des fleisses in der Motivation.

00:21:26: Und wir sind jetzt gerade am Punkt geschichtlich angekommen wo diese Fassade bröckelt oder immer mehr zusammenfällt und auch viele junge Menschen sehen okay... die Perspektive, diese vorgelebten Rollenbilder, die vorangehend da waren, die fallen auseinander oder verteilen sich sehr unterschiedlich Und es geht heute eine Verschiebung hinzu.

00:21:45: Naja, ich würde sagen prästisch ist ein sehr treffender Ausdruck dafür.

00:21:50: Es geht also nicht per se um was wird vielleicht wirklich jetzt sagen wir Leistungstechnisch erreicht?

00:21:56: Sonst geht vor allem um Was ist die Wahrnehmung?

00:21:58: Die Wahrnehnung der Person?

00:22:00: Also es

00:22:00: geht um Image Es geht um Selbstinsternierung.

00:22:03: Ja Instagram ist ein großes Thema.

00:22:05: also dieses health is wealth Zum Beispiel fällt mir da sofort ein.

00:22:09: also junge Menschen sind so interessiert plötzlich an Kraftsport und auch Kampfsport.

00:22:18: Jeder muss ein Marathon laufen oder einen Rennrad kaufen, wenn wir mit den Altersgruppen nach oben gehen.

00:22:23: Und da geht es einerseits ein bisschen um dieses Beweisen von naja.

00:22:27: also man hat jetzt in diesem System immer noch Dinge, denen Freude bereiten.

00:22:30: Man ist aktiv und schaut auf sich selbst aber andererseits hat sie einen sehr sehr gekünstelten, sehr kuratierten Charakter.

00:22:38: Und ich glaube, das verzerrt die Wahrnehmer von ganz vielen Menschen und spiegelt nicht unbedingt wieder wie es gesellschaftlich wirklich aussieht.

00:22:44: Es gibt auch viele junge Menschen gerade in Frankreich und Italien zurzeit, die auf die Straße gehen und protestieren – es gibt auch junge Menschen, die randalieren in einigen Städten zum Beispiel in Mailand.

00:22:54: ist das Ausdruck dieser Identitätskrise?

00:22:58: oder geht's da um?

00:22:59: Klalharde strukturelle Geschichten.

00:23:01: Mehr strukturell, wobei auch Identitäter also nicht außen vorzulassen ist?

00:23:05: Ich würde sagen beim Strukturellen wenn man auf Italien schauen aber Frankreich sehr ähnliches Muster Albanien auch.

00:23:10: Wobei da noch mal die Thematik stärker Korruption.

00:23:13: Junge Menschen haben sehr schlechte Chancen auf dem jetzigen Arbeitsmarkt für den Ausbau ihrer eigenen Zukunftschancen in großen Universitätsstätten.

00:23:23: jetzt eben Bologna Meyland beispielsweise oder auch Turin fällt mir dazu ein.

00:23:26: Da geht es vor allem darum dass junge Menschen beispielsweise Studierende sich mehr die Mieten leisten können.

00:23:30: Und die müssen dann arbeiten gehen, nebenbei um sich das Studium überhaupt zu finanzieren können oder generell die Möglichkeit haben zu studieren und kommen dann drauf naja aber also Italien hat ja nicht mal einen gesetzlichen Mindestlohn dass auch die Bezahlung italienweit ist weniger geworden.

00:23:44: Das heißt wir haben ein Reallohnverlust im gesamten Land d.h.

00:23:47: dass selbe Gehalt des vor zehn Jahren da war es heute nicht mehr so viel Werte.

00:23:51: der Lohn ist einfach nicht mitgezogen.

00:23:53: mit wieviel teurer ist das restliche Leben geworden?

00:23:55: Also wir haben eine Kaufkraft eingebüßt.

00:23:57: alle Menschen Aber junge Menschen trifft es halt nochmal so viel stärker, weil Kapitalschaft kapital.

00:24:04: Wenn ich irgendeine Grundlage habe von der ich ausgehen kann sagen wir zum Beispiel okay ich hab eine Immobilie oder ich hab hundertausend Euro.

00:24:11: wenn ich hunderttausend Euro habe kann ich diese in den Aktienmarkt investieren und sagen okay leistungsloses Einkommen meine Investitionen natürlich Risikogeschäft aber wie wir mal jetzt sagen fünf Prozent Rendite über zwanzig Jahre ist das durchaus eine Summe, die andere Menschen mit Jahren an Arbeit nicht erreichen können und die einzige Differenz ist Kapital als Startpunkt.

00:24:28: Viele junge Menschen haben dieses Kapital nicht und können es sich auch nicht durch Arbeit vor allem abhängige Arbeit aufbauen und ich glaube das sorgt für sehr viel Frust und Existenzangst.

00:24:37: Sicher dass Sie nicht ein Wirtschafts-Podcast sind eigentlich?

00:24:41: Nein im Gegenteil aber also ich versuche der Wirtschaft immer auszustellen.

00:24:45: aber es geht kein Weg daran vorbei.

00:24:47: Geld ist Teil auch der Teilhabe einer Gesellschaft.

00:24:51: Etwas, das sich durch ihre siebzehnt Folgen durchzieht ist die Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus.

00:24:56: Dazu haben Sie auch im August einen Gastkommentar für die FF geschrieben.

00:24:59: der Titel draußen vor der Tür.

00:25:01: Im ersten Satz heißt es jede Woche stelle ich mich von jungen Menschen und kämpfe darum dass Demokratie weiterlebt.

00:25:08: Das ist ein schöner Satz wenn auch ein martialischer.

00:25:11: was ist das für ein Kampf?

00:25:13: Es ist ein Kampf um die generelle Wahrnehmung der Politik Und vor allem auch der Chancengleich hat die Demokratie eigentlich schafft.

00:25:21: Also, eine Kollegin von mir hat das glaube ich sehr, sehr schön tituliert.

00:25:24: Er hat zu mir gesagt ja, Demokratie ist unsexy geworden.

00:25:28: Da war ich so okay, ja?

00:25:29: Auch ein schönes Statement.

00:25:31: und Fakt ist junge Menschen also auch im Austausch und mir die sehen also Demokratie jetzt vielleicht nicht wie ich als Person, die jetzt schon durch den ganzen Bildungsapparat gekommen ist selber mittlerweile im Bildungs-Apparat tätig ist sondern die Sehndemokratie Ein Bestandteil an der sozusagen ihrem Leben eher meistens, naja also da kommen Schäden aber wenig Positives zurück und sie sehen sich einfach ein bisschen als entmündigte Gruppe.

00:25:58: Also so eine Nähe, aber was können wir jetzt noch tun?

00:26:01: Mentalität auf uns hört eh niemand.

00:26:03: Ich glaube eben das genau diese Aussage die macht mir Angst.

00:26:07: also wenn junge Menschen glauben dass sie keine Partizipation mehr haben oder dass sie gar keine Mitsprache mehr haben und die Politik ihnen eh nicht zuhört, dass überhaupt nicht die Vertreterinnen sind für diese jungen Menschen, dass sie dann ganz schnell eine so entweder alternative Konzepte suchen Und diese alternativen Konzepte findet man im Populismus.

00:26:25: Oder aber, dass sie eine Gesamtapartie hinlegen wollen und sagen, na ich bin nicht politisch.

00:26:30: Na das interessiert mich nicht!

00:26:31: Also Politik ist mir egal nur... Ich antworte dann immer und es ist glaube ich schon ein Satz den jeder mal in dem Leben hören sollte Du bist der Politik nicht egal.

00:26:40: Die Politik interessiert sich für dich egal was du machst Egal wer du bist egal In welchem Kontext Und man sollte sich dessen bewusst sein.

00:26:49: Alles ist politisch, nichts davon ist allein unter großen Anführungszeichen Privatsache sondern jede Minute deines Alltags ist irgendwie doch Politik mitbestimmt.

00:26:59: Alexandra Aschbacher und ich haben vor einigen Wochen eine Titelgeschichte über die Südtiroler Freiheit geschrieben.

00:27:04: Unsere AfD, da gibt es eine interessante Szene nämlich wenn Schülerinnen und Schüler den Südturo-Landtag besuchen dann wollen sie nicht unbedingt mit Landeshauptmann Arno Kompatscher einen Selfie machen oder mit dem Landtagspräsidenten sondern mit Sven Knolf von der Südtüroler Freiheit.

00:27:19: Die Südtörolerfreiheit mit der haben sich schon einige Male auseinander gesetzt und werden sich wahrscheinlich auch künftig weiter mit denen auseinandersetzen.

00:27:26: woher kommt dieses ich nenne es mal Gestalt?

00:27:30: Die Südtirolerfreiheit ist die präsenteste Partei auf allen sozialen Medien.

00:27:36: Das ist eine Realität, der darf man sich nicht verschließen.

00:27:39: Ach, erreicht sie deswegen so viele junge Menschen?

00:27:42: Mitunter ja!

00:27:43: Also immerhin auch die Sprachwahl, also es wird sehr simplifiziert dargestellt.

00:27:49: Es wird direkt gesprochen.

00:27:50: ich glaube das ist ein Fehler die viele andere Politiker und Politikerinnen machen dass sie nicht mehr die Bürgerinnen und Bürger ansprechen sondern einfach über eine Maßnahme sprechen was die für strukturelle Auswirkungen hat.

00:28:01: nie.

00:28:01: aber Was macht das denn mit deinem Leben konkret?

00:28:05: Das macht die Südtiroler Freiheit sehr, sehr gut.

00:28:07: Also da muss man auch mal die politische Arbeit loben.

00:28:09: sie schaffen es ihre Talking Points super kompakt an junge Menschen aber auch generell die Bevölkerung auch über die Grenzen hinaus mitzuteilen.

00:28:18: Und

00:28:18: das fasziniert sich!

00:28:19: Es besorgt mich also ja Faszination ist natürlich auch der Hinterrechtspopulismus sein Phänomen dass ganz viele Bevölkerungsschichten durchgreift und also immer präsenter wird in jeder politischen Debatte.

00:28:35: Und vor allem Rechtspopulismus hat eine historische Komponente, und diese historische komponenten wenn wir jetzt beim Besorgnis erregen sind rechtspopulismus in seiner essenz verspricht einfache lösungen erst mal und einfache Lösungen einem komplexen system.

00:28:49: also die fliegen irgendwann auf oder die fliegen einem um die Ohren, nur die Frage ist halt ob man die Rechnung selbst trägt.

00:28:55: Ob das die politisch Verantwortlichen tragen?

00:28:57: Ob es alle tragen.

00:28:58: und ich glaube schon dass es gefährlich ist herzugehen zu sagen zum Beispiel selber spitzt gesagt haben wir schieben jetzt eine kriminelle Personengruppe ab Und damit sind alle Gesellschaftsprobleme gelöst.

00:29:07: Und da würde ich gleich mal so, also bei mir kommt dann sofort dieser Gedankensprung und dann bin ich so naja okay war... Die Ursachen dafür dass diese Kriminalität stattgefunden hat die sind ja noch da oder?

00:29:16: Also wir haben jetzt ok die sozusagen den faulen Zahn gezogen in der Darstellung aber so die Infektion bleibt Die ist immer noch da.

00:29:25: Und das kann man nicht mit einer Sache lösen, dafür sind tausende Dynamiken dahinter.

00:29:29: und es nur so darzustellen, ob es schnell und einfach machbar wäre oder mit Hausverstand oder Herr Anderlan betitelte es ja gerne mit der Politikbraucheihe.

00:29:37: Sie meinen den Landtagsabgeordneten Jürgen wird

00:29:39: Anderlans... Genau!

00:29:40: Den Landtag abgeordneten Jürg wird Andernan, der sich durchaus auch sehr polemisch äußert.

00:29:46: Diese Versprechen eben, die wirken zwar sehr simpel.

00:29:49: Aber sie sind auch nicht immer realitätsgebunden und da ist zum Beispiel mein erster Interessenspunkt.

00:29:53: also erst mal ja was sagt denn die Südtiroler Freiheit?

00:29:56: Was Sie gern machen würde und ist das also ist es überhaupt realistisch?

00:29:58: kann man das machen?

00:29:59: Thema Zuwanderung Thema Migration Thema also vor allem auch illegaler Aufenthalt Da hat Südturol Die Befugnisse.

00:30:08: diese die Südtirolerfreiheit wünscht manchmal gar nichts Realistischerweise fast nie.

00:30:13: Manchmal gehen die Aussagen direkt gegen die Verfassung machen gegen EU Recht Und ich finde dann schwierig, wenn nur diese Perspektive von vielen Leuten gehört wird.

00:30:21: Da wird nur gesagt, wir müssen das nur so machen und dann passt.

00:30:24: aber es gibt ja nicht mal die Handlungsmöglichkeit das so zu tun selbst wenn der Wille da ist.

00:30:29: Die Südtiroler Freiheit setzt sich immer sehr intensiv mit der Vergangenheit Südtirols auseinander.

00:30:38: Sie auch, sehen wir Geschichte studiert.

00:30:40: Wir haben ein historisches Interesse.

00:30:43: Dieses historische Interesse hängt es bei Ihnen auch mit der Geschichte Ihrer beiden Großeltern zusammen?

00:30:49: Ja, also ich glaube biografisch ist mir vieles davon in die Wiege gelegt worden.

00:30:53: Wobei ich dazusagen muss... Also die Gesprächskultur um die eigene Familiengeschichte, also namentlich auf väterlicher Seite Sepp Kerrschbaumer, also Gründer des Befreiungsausschusses Südtirols einer je nach Perspektive, die man einnehmen möchte Gruppe an Freiheitskämpfern oder eine Terrororganisation oder

00:31:11: Aktivisten?

00:31:12: Oder Aktivistinnen?

00:31:13: genau!

00:31:13: Das ist mal eine Seite... Genau, also das ist mein Urgroßvater.

00:31:17: Väterlicherseits und mein Urgrossvater Mütterlicherseits.

00:31:20: Der war tatsächlich politisch gefragener gewesen im KZ Dachau von nirgendsundvierzehn bis zur Befreiung viertunvierzig.

00:31:27: Ist dann nach der Befreiungen aufgrund des generellen Verwaltungschaos nach Südtirol zurück ins Land worden in Lazzaret.

00:31:35: Seine Familie hat sich aber noch am Bodensee befunden in Deutschland.

00:31:38: Das heißt er wurde mit starkem Hungertüffus aus Deutschland ausgeschifft zurück nach Italien.

00:31:45: Dann muss der wieder, sobald er halbwegs genießen war und ich sage wirklich Halbwegs weil er immer noch sehr angeschlagen ist, irgendwie auf sehr starken Umwegen zurück nach Deutschland gekommen hat dann seine Familie sich sozusagen wieder vereinen können und ist dann mit der Familie nochmal gesamt nach Südtirol zurückgekehrt.

00:32:02: Ich glaube das ist auch ein schönes Ebenbild vieler Schicksale von Personen aus der Zeitspanne des Zweiten Weltkrieges und auch vorangehend also auch im thematikoption Also dieses naja teilweise gezwungen sein, aus verschiedenen Faktoren die Heimat zu verlassen.

00:32:16: Dort dann auch auf neue Schwierigkeiten zu stoßen vor allem jetzt im Kontext von Krieg Holocaust Chaos und dann die Rückkehr.

00:32:24: Und auch wie sieht man das Schicksal aus, wenn man in dieses Land zurückkehrt?

00:32:28: Aber macht es etwas mit einem... Wenn die Urgroßeltern auf der einen Seite Sepp Kerrschbaum sind, auf der anderen Seite ein KZ Häftling.

00:32:35: ist das etwas Prägendes oder erzählt man davon in der Familie und gut ist?

00:32:40: Ja!

00:32:41: Ist das

00:32:41: für Sie eine Motivation um sich mit Themen wie Geschichte, Politik Süddeutsch auseinanderzusetzen?

00:32:47: Motivations?

00:32:48: Ich glaube, wenn ich jünger war, war es eine Motivaion erstmal also sich einzulesen.

00:32:53: Also ganz, ganz viele Fragen konnte meine Familie gar nicht beantworten vor allem, dass Herr Sperma herrschte ein großes kollektives familiäres Schweigen vielleicht auch berechtigt man weiß ja nicht was so im Hintergrund noch Jahrzehnte später stattgefunden hat.

00:33:07: Fakt ist aber dieses überhaupt offensprechen über Geschichte und auch immer sehr dunkler Kapitel dieser Geschichte das ist erst mit der Generation meiner Eltern hat es begonnen Und jetzt sage ich als Folgegeneration Ich versuche noch ein bisschen offen über diese Themen zu sprechen, auch weil jetzt eben dieses Thema Zeitzeugen und Zeitzeuginnen.

00:33:26: Diese Menschen fallen jetzt weg, die es aktiv erlebt haben und ich glaube das ist wichtig vieles davon weiterzutragen und auch in Erinnerung zu behalten.

00:33:34: Aber sie ärgern sich dass die Südtirolofreiheit ihren U-Großvater Sepp Kerrschbaum instrumentalisiert.

00:33:41: haben Sie mir in einem Vorgespräch gesagt

00:33:43: Ja, das ist richtig.

00:33:44: Also konkret finde ich... also es gibt ja mehrere... fangen wir vielleicht an.

00:33:48: kurzer die Auflistung, wie kommt denn überhaupt der Serb Kehrsparmer mit der Sidorle Freiheit zusammen?

00:33:54: Einerseits beispielsweise die Jugendsprecherin hat ein Video gemacht auf den sozialen Medienwurst mit der Betitelung Melanie Maya, genau.

00:34:00: Die hat ein Video gemacht mit der Betitelung so ja es braucht wieder mehr Männer wie ihn.

00:34:05: Also allein da schon, da läuten wir mir jetzt erstmal ein paar Alarmglocken und so naja welcher Form braucht das denn?

00:34:09: Männer wie ihnen?

00:34:10: Also reden wir jetzt davon dass es wieder Leute brauchen die eine Terrororganisation gründen.

00:34:15: Braucht man Leute die christlich fundamentalistisch sind mehr in diesem Land.

00:34:19: Brauch mal einen abwesenden Familienvater welches er betreht man dann hier an?

00:34:23: Ich glaube das ist ja ganz ganz wichtige Frage die man mal stellen muss weil Deshalb Kärschbaum wird in diesem Kontext stilisiert.

00:34:30: Der ist dann irgendeine Art... Helden-Figur, die sozusagen für den Trotz gegenüber dem italienischen Staat und auch der italienische Oppression zu dieser Zeit steht.

00:34:40: Und er wird dann sozusagen als Sinnbild genommen von so ja wir haben uns gewährt, wir waren dagegen!

00:34:46: Ich glaube es ist schwierig wenn eine Partei egal welcher Richtung eine historische Person für sich pachten möchte oder sagen naja das war jetzt.

00:34:55: also wir sind jetzt sein Erbe, wir treten das an, wir setzen das fort, vor allem im Kontext Freiheitskampf Da würde ich mal sagen, na ja.

00:35:02: Ich glaube wenn der Herr Kerschbaumer sich heute mit manchen Vertretern und Vertreterinnen Südtorola Freiheit an ein Tisch setzen würde wer sehr schockiert über die fehlenden christlichen Werte beispielsweise?

00:35:13: Die Frage die sich natürlich auch stellt ist ob dieser permanente Fokus auf die immer gleiche Partei was das... Ich mache jetzt ein Beispiel aus Deutschland, wo der Spiegel intensiv über die AfD berichtet und kurz vor dem Landtagswahl den Sachsen-Anhalt.

00:35:28: Den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf seinem Cover als den gefährlichsten Mann Deutschlands etikettierte.

00:35:35: Siegmond und AfD-Chefin Weidel haben danach nach der Wahl fröhlich diese Spiegelcover unterschrieben, Sie haben die Bilder sicherlich auch gesehen im Netz.

00:35:44: Also bringt es etwas wenn man sich so auf eine Partei etwas versteift?

00:35:51: Das ist glaube ich jeder einzelne Journalist der Welt hat sich wohl mit dieser Frage gerade in irgendeiner Form auseinander.

00:35:57: Wir haben noch keine Antwort gefunden.

00:35:59: Sind Sie Journalisten?

00:36:01: Zu teilen!

00:36:01: Oder sind sie Aktivist?

00:36:02: oder sind die Kolumnisten?

00:36:03: Also

00:36:04: ich trenne jetzt ganz klar, bin ich Aktivisten?

00:36:06: Nein weil als Aktiviste würde ich anders sprechen und ich würde anders handeln.

00:36:09: Ich würde auch manche Positionen anders darstellen.

00:36:12: Mein Anliegen ist es nicht primär großen politischen oder gesellschaftlichen Wandel zu bringen, sondern auf politische und mediale Narrative hinzuweisen.

00:36:20: Da kommt dann natürlich eine persönliche Färbung mit rein.

00:36:23: aber ich gehe jetzt nicht her und sage zum Beispiel also wenn wir Thema Aktivismus sprechen nenne ich gerne den Moritz Holzinger.

00:36:31: Ich glaube der ist für mich sehr viel sinnbildlicher für eine Person die aktivistisch ist.

00:36:35: Influencer der immer wieder Beiträge, also in einem hunderteer Bereich zu Südtour der Mobilität macht.

00:36:41: Also hat auch mittlerweile den netten Titel Mobilitätsinspektor Willkommen teilweise selbst auferlegt, teilweise von journalistischen Medien mitgetragen und der zum Beispiel erst kürzlich dem Herrn Alfreda, der Mobilitäzlandesrat eine Petition vorgelegt als Analyste an Forderungen und Wünschen wie könnte Mobilität aussehen?

00:36:59: Wie könnte sich das entwickeln?

00:37:00: noch mit Zahlen und Fakten hinterlegt?

00:37:02: Aber der hat dann Unterschriften gesammelt, er ist auf Leute herzugegangen und sich mit Organisationen ausgetauscht.

00:37:06: Das ist nicht eine Arbeit die ich mache, das ist sehr weit entfernt von wie ich mich mit Themen auseinandersetze.

00:37:11: Mir geht es eher oft darum, wie wird über ein Thema gesprochen?

00:37:14: Und mir geht es weniger darum was möchte ich aus seinem Thema immer herausholen?

00:37:19: also da sind Wünsche dahinter.

00:37:21: aber Aktivismus würde glaube ich anders aussehen bei mir.

00:37:23: Was bekommen Sie denn für Reaktionen kritisch höfliches Feedback?

00:37:27: oder sind sie mit Hitspeech konfrontiert?

00:37:32: Ich habe ein bisschen Hate Speech bekommen.

00:37:34: Ich glaube auch, je länger ich das machen werde, desto größer die Summe daran.

00:37:37: Also Narrative ausverhandeln kommen natürlich starke Emotionen mit rein von ganz vielen Seiten und das Internet wird oftmals so ein bisschen als ein rechtsfreier Raum wahrgenommen.

00:37:48: So ist es eine große anonyme Seite.

00:37:51: also man kann ja Namen, Profilbild was auch immer sehr frei wählen.

00:37:56: Es gibt schon Mittel und Wege, Dinge nachzuverfolgen aber es ist doch ein anderer Sprachhabitus als im öffentlichen.

00:38:03: Und ja ich bin noch als Trottel beschimpft worden, als Step, als Linksgrün versifft was weiß ich?

00:38:09: Wobei ich da einmal sagen muss meine liebsten Kommentare, also wenn wir jetzt bei Hate Speech sind, sind die auch dann gleichzeitig argumentieren warum dem so ist.

00:38:19: Also ich finde ja... Wenn man mich nur als Step bezeichnet kann ich ja wenig mit anfangen, das ist nicht sonderlich konstruktiv, wenn ich etwas schade Da möchte ich schon wissen, warum ich ein Depp bin.

00:38:27: Die Leute die mir das offen legen, das finde ich immer schön weil dann habe ich den Gedanken gegangen wie sind sie denn zum Punkt gekommen dass sie mich so wahrnehmen?

00:38:33: und ich glaube da kann man doch noch anknüpfen.

00:38:35: also wenn man eine

00:38:36: Begründung hat, warum er ein Trottel ist?

00:38:38: Ja!

00:38:38: Also ich find es ja nicht schlecht.

00:38:40: Wenn jemand sagt naja also man will ja nie überall einer Meinung wenn man jetzt so stark gefühlt hat dass wir sagen der ist Adept, der ist Ertrottel Bitte sag mir doch, warum ich so viele starke Gefühle ausgelöst habe.

00:38:50: Das finde ich ganz toll!

00:38:51: Das ist ein sehr wichtiges Feedback für mich.

00:38:53: auch ansonsten... Ich glaube jede Person die sich öffentlich hinstellt, die ihr Gesicht zeigt, die ist betroffen von diesen Phänomen.

00:38:59: Also in der Politik alle mögliche Seiten haben jetzt schon Morddrohungen erhalten, das finde ich total erschreckend.

00:39:04: also wie normalisiert es geworden ist, dass einfach jemand sagt so ja du Landespolitiker XY, wenn ich dich mal auf der Straße treffe dann... Also ich meine, das ist ja besorgniserregend.

00:39:13: Ich finde schon, dass man durchaus auch mal reelle Ängste haben kann weil kann man da unterscheiden, im Internet ist das eine ernst gemeinte Drohung.

00:39:20: Ist es eine Floskel oder sollte also eher metaphorisch verstanden werden?

00:39:25: Zum Sinne von ich habe so viel umutig würde gerne aber in Wirklichkeit wird's eh nicht passieren.

00:39:29: und Ich glaube die also dass die Trennschärfe nicht da ist, ist brandgefährlich für alle.

00:39:34: Und das andere auch.

00:39:36: ich sag mal so dass die meisten Leute die auftreten den Kommentaren entweder Also in irgendeiner Form ein sehr starker Meinung vertreten und der Diskurs der Gesamtdiskurs, sondern die oftmals die beiden Enden eines Spektrums und ich glaube weil die Mitte oft in dieser Kommentar-Sektion fehlt das ist auch die eigene Wahrnehmung verzerrt also insofern

00:39:58: sehr polarisiert.

00:40:01: Ja also polarisieren ist ja ein Grundphänomen von Social Media.

00:40:03: Polarisierende Inhalte generieren Aufmerksamkeit die bekommen Klicks, die bekommen Austausch.

00:40:08: Niemand wird mir, wenn ich heute Morgen posten würde.

00:40:11: Keine Ahnung!

00:40:12: Ich finde Menschenrechte toll.

00:40:13: Ja super null Kommentare, nur Likes und nicht ein Repost.

00:40:16: Und das ist nicht weil der Großteil der menschen nicht mit der Aussage beeinstimmt dass sie wieder mal sagen Der großteile Mensch ist doch davon überzeugt als die menschrecht jetzt es wichtiges und schützenswert sind.

00:40:24: und auch toll.

00:40:25: aber Fakt ist Nicht kontrovers, riecht mich das auf.

00:40:29: Habe ich da jetzt wirklich los?

00:40:30: Jetzt bin ich unterwegs mit dem Zug und einen Kommentarschreiber.

00:40:33: Wenn ich etwas sehe, wo ich sage, das trifft mich aber im Kern.

00:40:36: Das riegt mich auch.

00:40:37: Das stimmt mich gar nicht überein oder so, ich brenne für das Thema und bin so.

00:40:41: ja unbedingt endlich sagt mal jemand, dann schreibe ich ein Kommentar.

00:40:44: D.h.,

00:40:45: es ist nie in Abbild der Gesamtdiskussion sondern immer sehr ausschnittsmäßig und vor allem von zwei Ecken die sehr starke Meinungen

00:40:53: haben.

00:40:54: Der erste Satz in dem ersten Video hat mich etwas getriggert.

00:40:58: Sie meinten, Südtirol hat ein gewaltiges Medienproblem.

00:41:02: Hat es das?

00:41:04: Ja!

00:41:05: Ich stehe hinter der Aussage auch wenn ich es heute anders sagen würde.

00:41:09: Wie würden sie es heute sagen?

00:41:11: Südturol hat einen Medienentwicklungsproblem.

00:41:15: Das heißt, ja im Medial verschiebt sich auch wieder etwas finde ich.

00:41:19: Also seit ich mit Letzter Oxytrol angefangen habe... Ich sehe Medien jetzt auch sehr anders.

00:41:23: Ich habe mehr Austausch mit Medien als ich vorangehend hatte.

00:41:26: Finde ich hat sehr viel Augen geöffnet als reiner Konsument dann plötzlich auch also mit Leuten zu reden die in diesem Bereich tätig sind und wirken.

00:41:35: aber mein Medienproblem bleibt.

00:41:37: Sie spielten damit natürlich auf die Medienmacht des Hauses Arthesia an nicht das natürlich sehr dominant ist.

00:41:43: Aber wir stellen noch fest, es gibt viele andere Medien in Südtirol.

00:41:46: Sie sind eben podcast-studio.ff.

00:41:48: Ja?

00:41:50: Richtig!

00:41:50: Also... Es gibt mehr.

00:41:53: Da ist halt dann die Frage nach erst mal wie schaut's mit Reichweite aus?

00:41:56: also wie viel Person erreichen diese Medien auch?

00:41:58: welche Altersgruppen Reichen dieser Medien, ich glaube da könnte man schon sagen wir haben ein Medienproblem junge Menschen.

00:42:03: Ich zitiere jetzt den Herrn, aber ich weiß leider nicht den bürgerlichen Namen der Senior Buono Memes also einer der erfolgreichsten Südtiroler Influencer auch auf die Legner Sprache, der hat gesagt in einem Podcast letztens naja er liest keine Zeitung, er schaut keine Fernsehnachrichten und er hört keine Radio weil er kriegt alle seine Infos aus dem Funke, also aus dem Funker in dem Fall einen Ausdruck für sein Computer bzw.

00:42:30: ein intergener Zugang, also internetfähiges Gerät.

00:42:32: und ich glaube das ist sehr vielsagend wenn junge Menschen ja so wie es ja gleichhaltig wie ich dass die dann plötzlich sich hinstellen und sagen naja ich konsumiere das nicht mal mehr Ich sehe das nicht, ich krieg nichts davon mit.

00:42:46: Also da will ich schon sagen wir haben ein gewaltiges Medienproblem.

00:42:48: aber heute glaube ich eher bei wo kommt es denn noch an?

00:42:52: Die Frage ist Wie lange wird es die traditionelle Medien in dieser Form noch geben?

00:42:56: Eine Frage, die sich nicht beantworten lässt.

00:42:58: Ich würde aber sagen traditionelle Medien sehen sich enormes Unterdruck und das ist einerseits finanziell.

00:43:08: also ich glaube Marketing verändert sich.

00:43:11: Also wie werden Produkte vermarktet verkauft?

00:43:13: schalte ich heute wirklich noch ein Inserat in der Zeitung oder oder buch ich mal einen Influencer, der dann Champagner trinkt im Hotel mit schöner Kamerafahrt.

00:43:20: Also es geht jetzt glaube ich viel um so eine Art Gefühl- und Lifestylevermittlung.

00:43:25: ein journalistisches Medium versucht sich ja doch eher neutraler aufzustellen.

00:43:29: Ich glaub da gibt's schon sehr sehr bald einen Interessenskonflikt, den man damit aufmachen könnte.

00:43:33: Und auch eben wie immer gehört haben junge Menschen konsumieren diese klassischen Medien nicht mehr beziehungsweise haben sie nie den Anschluss dazu gefunden.

00:43:40: allein Erfahrungsgemäß kann ich sagen Textmenge wirkt bedrohlich für manche Menschen.

00:43:46: Also wenn ich da zwei Seiten in eine Klasse mitbringe, dann gibt es erstmal Rounzen, Stöhne und ganz viel Frustration.

00:43:53: Wenn ich jetzt manche Artikel mitnehme die für meine Schulzeit selbstverständlich gewesen wären... Ich bin also an einer Schule wo doch ein gewisses Bildungsniveau noch vorhanden ist.

00:44:04: Ich muss das simultan übersetzen!

00:44:05: Also ich glaube ich schaffe fast nie einen Absatz, wo ich nicht irgendwie noch reinwerfen muss.

00:44:09: Anathas referenziert das oder dieses Wort meint das?

00:44:11: Oder ja also die Sprache Der Zeitung ist nicht die Sprache der Jugend oder jungen Menschen und da fehlt oft was, habe ich den Eindruck.

00:44:20: Also jetzt ist aber die Frage, naja, was macht denn ein Zeitungsmedium?

00:44:23: Spricht das jetzt eine andere Sprache?

00:44:25: Hat es jetzt ein anderes Image, ein anderes Auftreten, hat das eine andere Form?

00:44:31: Und ich glaube tatsächlich dass Text-, Texterkunstform ja also einen guten Text zu schreiben gehört.

00:44:38: so viel dazu, so viele Überlegungen dahinter.

00:44:40: Aber heute ist die Tendenz zu Identifikationsfiguren Also auch im medialen Kontext.

00:44:45: Und ich glaube, ein klassisches Zeitungsmedium versucht der genaues Gegenteil zu machen und zwar wenig allein Profilierung von den Autorinnen und Autoren sondern mehr die Story, die Berichterstattung steht dem Vordergrund.

00:44:56: und ich glaube diesen Wandel erleben wir gerade und das wird sich auch fortsetzen.

00:45:02: und die Frage ist halt dann ob sozusagen diese... also ob Einzelpersonen oder Personen, die stärker persönlich auftreten da mehr Erfolg haben mit langfristigem Zeitungswesen als klassische Zeitungsmedien, die an Ihrem Kurs festhalten?

00:45:14: Die Frage sie sich mir noch stellt Herr Prast

00:45:17: ist

00:45:18: Sie arbeiten Vollzeit als Lehrer und Sie investieren sehr viele Stunden in Ihre Videos.

00:45:23: auch Videos wollen gut gemacht sein.

00:45:27: Was machen Sie eigentlich sonst?

00:45:29: umgehen Sie manchmal am Abend auf dem Bier.

00:45:32: Na ja, mit dem Alkohol habe ich es nicht so.

00:45:34: Da muss sich leider einige Südtiroler enttäuschen die auf ihr Forstbier oder sonst was schwören.

00:45:40: Man

00:45:41: kann ja auch auf ein alkoholfreies Bier gehen.

00:45:43: Ja, also ich weiß nicht.

00:45:44: Ich trinke ja nicht Bier um das Bieres willen in dem Sinne.

00:45:47: Ja unterschiedlich!

00:45:48: Ich muss sagen... Also es hat... Haben

00:45:50: Sie noch Freizeit?

00:45:51: Ich habe noch freizeit, ja aber es ist glaube ich sehr alles in Wellen.

00:45:56: Es gibt dann keine Ahnung.

00:45:57: Wochen in denen ich dann plötzlich sechzig-siebzig Stunden mit allen möglichen Dingen zu tun habe und dann die Woche darauf ist erst mal der große Crash.

00:46:04: Dann merkt mein Körper und meinen Kopf so, ach das war jetzt viel Und dann muss man sich rausnehmen.

00:46:09: Manchmal ist das raus, nämlich ich schaffe es in die Natur raus, ich gefahrrad fahren und ich mach Sport, ich kümmere mich ein bisschen um mich selbst.

00:46:14: Ich treffe Freunde, ich tausche mich aus... Manchmal heißt es auch einfach von allem abkoppeln und das ist glaube ich schon ein Phänomen, dass ich mehr bemerke seit ich der Arbeit mache dass man dann plötzlich auch mal den Wunsch hat, na ja also ich bin... Also ich bin Let's Talk Südtirol.

00:46:27: Ja das bin ich als Person aber es steht auch mein Gesicht dahinter und ich bin damit eine Person der Öffentlichkeit.

00:46:32: Also mir passiert jetzt nicht, wenn ich im Zug nach Bozen sitze, dass mich da Leute ansprechen und sagen oh du bist doch der und der was aber schon ist?

00:46:38: Also meine da sind Menschen die sehen mich oder die kennen mich jetzt nicht als ich als Privatperson, sie kennen mich als eine sehr limitierte Form meiner selbst.

00:46:48: Auch mach mal sehr.

00:46:50: Also wir würden nicht sagen gekünstelt, weil das ist es nicht.

00:46:52: Aber zumindest ist es sehr... Ich habe hier die Möglichkeit nur den Ausschnitt zu wählen, den ich auch wirklich zeigen möchte und ich glaube dann am Umgekehrt, ich möchte auch manchmal Privatperson sein dürfen.

00:47:01: Das ist sehr schwierig mit den beiden Phasen, die ich gewählt hab also einerseits Schule man steht da vor jungen Menschen hunderten am Tag Da ist man nicht sonderlich privat, da ist man irgendwie also mal möglich gesehen oder gebraucht oder gefordert oder man muss irgendwo einspringen, man muss sehr flexibel sein.

00:47:17: Es ist ein sehr chaotisches Umfeld.

00:47:19: Und dann eben im Journalismus, vor allem auch da wo man sein Gesicht zeigt.

00:47:22: Na ja also da kommen mal Reaktionen, da brauchen Leute machen was von mir, da interessieren sich Leute machen für Dinge und es gibt Tage da stehe ich auf und denke mir so, boah halt eigentlich nicht!

00:47:30: Ich hab manchmal die Wahl nein zu sagen ist das sehr schön.

00:47:32: andere Tage habe ich oft das Gefühl naja das sind gewisse Pflicht dahinter.

00:47:35: ich möchte auch das liegt mir auch am Herzen und ich glaube ich bin immer noch am ausloaten so wie viel Energie kann ich da noch reinstecken?

00:47:41: Wieviel geht's dich

00:47:42: aus?!

00:47:42: Ich liege am Abend da und denke mich würde gerne mehr machen Ich hätte so viel Lust, ich hätte so viele Inspirationen.

00:47:48: Ich hätte zuviel Antrieb noch sehr, sehr viel mehr zu machen als Let's Talks wie du gerade ist.

00:47:53: aber ich weiß auch dass sich als Mensch nicht mehr funktionieren würde.

00:47:56: da wäre dann eine Belastungsgrenze erreichen und der Julian, der Sport macht und Freunde trifft den will es nicht mehr geben Und das ist mir leider nicht wert.

00:48:03: Wir machen hier jetzt auch eine Grenze und ich bedanke mich fürs Gespräch.

00:48:07: Ja danke sehr, dass die da sein durfte.

00:48:10: Ja, liebe FF-Hörerinnen und der FF Hörer Julian Prast.

00:48:13: Und ich habe natürlich auch nach unserer Podcastaufnahme kein Bier getrunken aber einen Kaffee.

00:48:20: Wir haben uns noch etwas weiter unterhalten über Politik, über Medien, über das Leben in Südtirol, über Das Leben in Wien und auch über uns die FF!

00:48:29: Vor mir liegt die aktuelle Ausgabe, auf dem Cover sieht man den Ausschnitt eines blauen Schurzes und eines weiß rot karierten Hemdes.

00:48:37: Auf dem Hemd kragen das Partei Abzeichen der SVP das Edelweiß.

00:48:43: Der Titel darunter – Partei sucht Volk.

00:48:46: Im Untertitel – Mitgliederschwund – innere Konflikte verlorene Identität.

00:48:51: Hat die Südtiroler Volkspartei noch eine Zukunft?

00:48:54: Alexandra Aschbacher ist die Autorin unserer aktuellen Titelgeschichte.

00:48:58: Darin geht sie auf Spur und Suche nach einer Partei, die ein reiches Land verwaltet aber mit der eigenen Identität ringt.

00:49:06: Und deren Mitglieder am twenty-zwanzigste November ihre Ortsgruppen neu wählen.

00:49:11: Sie sind das Rückgrat der Partei!

00:49:15: Und sie sind der Gradmesser dafür, inwieweit die SVP noch Volkspartei ist.

00:49:19: Für die SVPs sind die Ortsgruppenwahlen wichtig für den US-Präsidenten Donald Trump – Die Midterms.

00:49:25: Am dritten November entscheiden die USA darüber wer im Kongress sitzt.

00:49:29: Im Repräsentantenhaus werden alle vierhundertfünfunddreißig Sitze neu gewählt und im Senat ein Drittel der Sitze.

00:49:36: Es ist ein richtig großer Stimmungstest!

00:49:39: Der US-amerikanische Journalist John Lee Anderson spricht in Bezug auf die Trump-Regierung von einem nackten Imperialismus unterstützt vom Plutokraten.

00:49:48: Unser Autor Max Hofer hat Anderson kürzlich beim Journalismus Festival Internationale in Ferrara getroffen.

00:49:55: Im FF Interview sprechen die beiden über gefährliche Minister, die Macht der Techniardäre und Revolutionäre, die ihre Ideale verraten.

00:50:04: Über Irrtümer und menschliche Freizeitansprüche geht es im Interview, dass Markus Lacher für diese Ausgabe mit dem deutschen Wildtierexperten Rudi Suchhand geführt hat.

00:50:15: Suchhand war Gas bei den Prichsner Philosophietagen – Es ging um Tourismus in Spannungsfeld zwischen Genuss- und Belastung der Natur.

00:50:23: Suchhards Referat trugt den Titel «Rothirsch Günther stört Pilze sammler beim Mittagsschläfchen».

00:50:29: In der aktuellen FF gibt es übrigens auch ein Gourmet & Wein Spezial … Mit viel guten Stoff!

00:50:37: Lust bekommen?

00:50:38: Dann genießen Sie Ihre FF.

00:50:40: Und sollten sie keine zur Hand haben, man kann die FF käuflich erwerben oder ein Abo

00:50:44: abschließen.

00:50:45: Gute Lektüre!

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